Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 15

Editorial

Es war eine schöne Tradition, der Versöhnungsweg für Jugendliche durch das Donautal. Wegstationen luden ein zum Nachdenken und Beten. Nach drei Stunden Marsch freuten wir uns auf unser Ziel, die einfachen Landwirtschaftsgebäude des Benediktinerklosters Beuron. Dort warteten schon heisse Würste, frisches Bauernbrot und Apfelmost auf uns. Pater Leo hatte es zusammen mit einem Bruder für uns vorbereitet. Der studierte Landwirt leitete die Ökonomie des Klosters und war ein international gefragter Experte auf dem Gebiet der Imkerei. Manchmal kam er mit Gummistiefeln aus dem Stall oder fuhr mit dem Traktor über den Hof. Die Begegnung mit ihm änderte mein Bild vom Kloster von Grund auf: Mönche können mehr als beten, Beichte hören und Gottesdienste halten. In Beuron haben die meisten von ihnen ganz weltliche Aufgaben als Gärtner, Bäcker, Metzger, Schreiner, Installateur, Schneider… Es gibt kaum ein Handwerk, das hier nicht vertreten ist.

Dieses Zusammenspiel der einzelnen Dienste hat das Kloster in einem Kreisbild dargestellt. In der Mitte steht Gott, im nächsten Kreis folgen die Gebetszeiten der Mönche, dann die geistigen Tätigkeiten – darunter auch das berühmte Bibelforschungsinstitut. Im äusseren Ring werden alle handwerklichen Tätigkeiten dargestellt. Überschrieben ist das Ganze mit «Beuroner Kosmos». Es ist wirklich ein Kosmos, eine Welt für sich. Mich fasziniert bis heute, wie autark so ein Kloster ist. Die Gemeinschaft produziert genau das, was sie zum Leben braucht, nicht mehr und nicht weniger. Jeder einzelne trägt mit seiner Begabung seinen Teil dazu bei, jeder hat seinen Platz, jeder ist wichtig. Für mich ist dieser «Kosmos» ein heilsames Gegenbild zu manch gesellschaftlicher Entwicklung: zu krank machender Arbeitsverdichtung, zu übertriebenen Bonuszahlungen, zum Wachstumswahnsinn, zu nationaler Abschottung… Es tut gut, sich dieses Miteinander der Mönche vor Augen zu führen.

Die kleine Brauerei in Fischingen erinnert mich an dieses bunte, kollegiale Zusammenspiel. Sie ist ein inspirierendes Lebenszeichen für das Kloster. Vielleicht kommen noch andere dazu...

Detlef Kissner

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