Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 14

Wasser als Lebenselixier

Das Kloster Ittingen und seine vielfältige Wasserbewirtschaftung

Für die Kartäuser war die Wasserversorgung innerhalb der ordensgemeinschaftlichen Mauern von enormer Wichtigkeit. Diese stellten sie mit einem ausgeklügelten Kanalsystem sicher, das dem Kloster zu Wohlstand verhalf und bis heute Bestand hat. Eine Ausstellung im Ittinger Museum vermittelt noch bis im Dezember interessante Einblicke.

Schon das Alte Testament wusste um die Bedeutung des Wassers als Symbol der inneren und äusseren Reinheit, auch eine wundertätige Heilkraft wurde dem Element zugesprochen. Die Liturgie kennt das Sakrament der Taufe, mit dem der Mensch in die christliche Gemeinschaft aufgenommen wird, das Weihwasser oder die Messfeier, bei der das Wasser zum Wein kommt. Auch das Händewaschen ist Bestandteil der kirchlichen Zeremonie, wofür früher teilweise eigene Einrichtungen vorgesehen waren, so etwa für den Priester vor der Messe und für die Mönche vor dem Eintreten ins Refektorium.

Für die Ittinger Kartäusermönche war das Wasser aber, über die spirituelle Essenz hinaus, eine lebensspendende Versorgungsgrundlage, die sie in ihrer Autonomie stärkte. Es galt, innerhalb (und auch ausserhalb) der Klostermauern Trinkwasser für Mensch und Tier bereitzustellen, Anlagen zur Wasserkraftnutzung für die Bewirtschaftung der zahlreichen Gebäude, Gärten und Felder sowie Abwasseranlagen zu betreiben. Denn neben den Mönchen lebten auch Angestellte dauerhaft im Kloster und zahlreiche Händler hielten sich mit ihren Nutztieren oft mehrere Tage lang auf dem Gelände auf. Das Areal vieler Klosteranlagen wurde deshalb schon bei der jeweiligen Gründung der Ordensgemeinschaften auf die topografischen Begebenheiten hin geprüft. Gab es eine Quelle oder einen natürlichen Wasserlauf in der unmittelbaren Umgebung, der genutzt werden konnte?

Frischer Fisch

«Beides war in Warth bereits vorhanden, als der vormalige Adelssitz im 12. Jahrhundert in ein Kloster umgewandelt wurde. Auch eine Mühle gab es schon vor der Übernahme der Kartäuser im Jahr 1461», erklärt Kurator Felix Ackermann. In einem Raum des Ittinger Museums liefert er den interessierten Besuchern spannende Fakten zur laufenden Ausstellung «Wasser – Lebensader des Klosters». Doch die historische Reise führt auch hinaus zu den Brunnen, Kanälen und Mühlen der klösterlichen Anlage. Denn die Kartäuser nutzten ihr profundes Wissen, um einerseits die Wasserversorgung aber auch die integrale Latrinenbewirtschaftung zu perfektionieren. Ein komplexes System unterirdisch verlaufender und speziell gemauerter Bewässerungskanäle wurde angelegt und mit Druckleitungen versehen. Mit der Zeit und über Generationen hinweg konnten so zahlreiche Brunnen realisiert werden, ein Waschhaus, eine Pferdeschwemme und zwei verschieden grosse Fischgehalter. Diese waren den Kartäusermönchen besonders wichtig, weiss Felix Ackermann: «Da die Kartäuser sich fleischlos ernährten, war die Versorgung mit frischem Fisch für sie unabdingbar.» Die Fischgehalter waren Gebäude mit Steinsockel und einem durchlüftetem Aufbau aus Holz. Um die Fische am Leben zu halten, war der Durchfluss von Frischwasser nötig. «In dieser Tradition bezieht das Restaurant heute noch die eigens gezüchteten Regenbogenforellen bei der Quellfassung am Fuss des Weinbergs», erklärt der Kurator. Auch die Brunnen der Klosteranlage werden nach altem Prinzip direkt aus der Brunnstube versorgt, ohne dass eine Druckerhöhung durch eine Pumpe notwendig wäre.

Klösterlicher Weinhandel

Die verschiedenen Brunnen auf dem Gelände wurden nahe der Küche, im Garten des grossen Kreuzgangs bei den Mönchszellen, im Wirtschaftshof oder an der Aussenmauer des Klosters konzipiert. Der herrschaftlichste von ihnen, der Laurentiusbrunnen, steht heute im Aussenbereich des Restaurants. Auf dem früheren Wirtschaftshof der Kartause hatte der Brunnen eine solch grosse Öffentlichkeitswirkung, wie sie sonst zu jener Zeit nur in Städten anzutreffen war. «Das ist auf die Weinproduktion der Kartäuser zurückzuführen, die ihnen im 18. Jahrhundert zu grossem Reichtum verhalf. Dadurch herrschte auf dem Hof ein grosser Publikumsverkehr durch die Händler», berichtet Felix Ackermann. Aus diesem Grund verfügten natürlich auch die Kellergewölbe, wo die Lagerfässer gewaschen wurden, über verschiedene Wasserzugänge. Um die Versorgung der Brunnen mit sauberem Trinkwasser durch ein Druckleitungssystem zu gewährleisten, wurden bis ins 19. Jahrhundert sogenannte Deuchel eingesetzt, Nadelholzstämme, die in grünem Zustand der Länge nach durchbohrt wurden. In Wasser eingelegt und in Lehm eingebettet, konnten sie so lange erhalten bleiben. Ein aussergewöhnlich grosser Deuchelbohrer, mit dem die Stämme ausgehöhlt wurden, ist erhalten geblieben und in der Ausstellung zu sehen.

Mit dem Kauf der Kartause Ittingen durch die Familie Fehr 1867 gab es noch einmal einschlägige Veränderungen. Zwar betrieb Sohn Victor die historischen Brunnen weiter, ersetzte aber die Deuchel durch Gusseisenrohre. Zudem wandelte er das vormals sumpfige Thurgebiet rund um das ehemalige Kloster durch Drainagen (die bis heute in der Brauchli Ziegelei in Berg hergestellt werden) in nutzbares Ackerland um und liess ein neues Mühlrad für die Kornmühle herstellen. Durch die Verlegung höherer Druckleitungen konnte fliessendes Wasser in allen bewohnten Gebäuderäumlichkeiten ermöglicht werden und somit auch ein weiterer Schritt in die Moderne: Der Einbau einer Wassertoilette mit Spülfunktion.

Sarah Stutte

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Nähere Infos: www.kunstmuseum.ch

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Kurator Felix Ackermann vor dem historischen Laurentiusbrunnen

Bild: Sarah Stutte
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