Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Aktuelle Ausgabe Nr. 14

Auf den Spuren der Schaffhauser Täufer

Der Täuferweg (1): Von Hemmental zum Zelgli

Der Schaffhauser Täuferweg über den Randen verbindet die Gemeinden Hemmental, Merishausen und Schleitheim. Alle drei Wege führen zum Zelgli in der Nähe des Schleitheimer Randenturms. Die Geschichte der Täufer wird auf den Wanderungen erlebbar und an einigen historischen Stellen sichtbar. Hiermit beginnt eine dreiteilige Sommerserie über die drei Wanderrouten mit ihrer Geschichte der Täufer im Randengebiet.

Am Ende des Dorfes Hemmental weisen grüne Schilder zum Täuferweg in den Wald. Mit einem Moosteppich unter den Wanderschuhen und vielen Wildblumen am Wegrand beginnt die Wanderung zum Täuferstieg. Haben die Täufer diese Idylle vor fast fünfhundert Jahren genauso empfunden, oder suchten sie einfach den Schutz des Waldes? Wer waren diese Christen?

Schweizer Täufer

Sie stammten aus dem Kreis Huldrych Zwinglis in der Frühzeit der reformatorischen Bewegung Zürichs. Die neugeschaffenen Bibellesekreise waren ihre Keimzellen, wo sie Neues hörten, diskutierten und Erkenntnisse gewannen. Sie strebten danach, ihr religiöses Leben, ihren Alltag und ihre sozialen Beziehungen konsequent nach der Bibel auszurichten. Sehr bald lösten sie sich von den Reformatoren, die ihnen nicht radikal genug waren. Anstoss ihrer Glaubenshaltung war ihr anderes Tauf-, Abendmahl- und Predigtverständnis, daraus resultierte ihre Verweigerung des aufgezwungenen Kirchenbesuchs. Ihre Ablehnung, einen Eid abzulegen, sowie ihre Kriegsdienstverweigerung galten als bürgerlicher Ungehorsam. Die Obrigkeit und der Klerus fürchteten die Täufer als rebellische Sekte und sahen ihre Autorität in Gefahr. Durch Verfolgung, Gefangenschaft, Folterung, Enteignung, schliesslich durch Landesverweis oder sogar Todesstrafe versuchten die Magistraten ihre Kontrolle über die Täufer zu behalten.

Täuferstieg und Täuferstein

Wenn man sich diesen Wald dichter und ungepflegter vorstellt, mag er als guter Schutz für geheime Versammlungen der Täufer gedient haben. Hier konnten die Verfolgten unerkannt über den steilen, damals wohl eher wildbewachsenen Täuferstieg (Wanderschuhe und -stöcke empfehlenswert!) zu ihren Gottesdiensten gelangen. Nach diesem Aufstieg erreicht der Wanderer das grosse, artenreiche Schutzgebiet «Unteres Mösli». Viele Schmetterlinge begleiten einen entlang der blühenden, weitreichenden Wildwiesen. Auf dem Mösli liegt auch der Täuferstein von 2004. Er gilt als Versöhnungszeichen für die Schaffhauser Täufer von 1525 bis 1680, denen viel Unrecht angetan wurde.

Warum gab es Täufer im Randengebiet?

Im Jahr 1525 wurden viele führende Zürcher Täufer und ihre Anhänger festgenommen oder ausser Landes gewiesen. Schaffhausen gehörte zu den nächsten nicht übermässig täuferfeindlichen Gebieten. Der Täufer Johannes Brötli emigrierte nach Hallau und gründete dort eine Täufergemeinde. «Die Bevölkerung schätzte ihn bald als guten Prediger», so der Historiker Urs B. Leu, «und war sogar bereit, ihn mit Waffengewalt vor dem obrigkeitlichen Zugriff zu schützen.» Ebenso flüchteten der Schleitheimer Martin Weninger und sein Weggefährte Michael Sattler, der spätere Autor der weltbekannten «Schleitheimer Artikel», in den Norden. Urs Leu stellte fest, dass viele Zürcher Täufer in Grenzregionen lebten, «weil sie sich so dem Zugriff der kantonalen Obrigkeit besser entziehen konnten». Die Lage des Kantons Schaffhausen war also prädestiniert, als Täufer teilweise angepasst und unauffällig auf dem Land zu leben und sich im Wald für heimliche Treffen zu versammeln.

Gottesdienst auf dem Zelgli

Nicht weit vom Täuferstein entfernt erreicht man das Zelgli. Es bildet mit seinem weiten, leicht geneigten Wiesenflächen das Zentrum des Randens. Mit Lagerwiese, schöner Feuerstelle und einer gedeckten Schutzhütte lädt es zu einer ausgiebigen Rast ein. Bereits die Täufer nutzten diesen speziellen Platz für ihre Gottesdienste unter freiem Himmel. Ihre Gottesdienste bestanden aus Gebet, Predigt und Abendmahl und je nach Anlass fanden auch Taufen, Eheschliessungen und Beerdigungen statt. Der Täuferprediger wurde von der Gemeinde beziehungsweise von den verantwortlichen Täufer-Brüdern gewählt. Damit beabsichtigten sie, wieder zur frühchristlichen Kirche zurückzukehren. Es sollte eine bruderschaftliche Gemeinschaft der Gläubigen sein, ohne dass sich ein besonderer Klerikerstand herausbildet.

Judith Keller

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Nähere Infos:

www.natourpark.ch/tour/taeuferweg/
und
www.reformation-sh.ch/taeuferweg/

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Übersichtskarte zum Täuferweg mit Sehenswürdigkeiten
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