Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Ausgabe Nr. 10

«Menschen sein, nicht Lehrende»

Kinder in allen Situationen erreichen

Gabriela Glos Studer ist seit 17 Jahren Katechetin in Diessenhofen. Nun absolviert sie die Ausbildung für den Heil - pädagogischen Religionsunterricht (HRU). Was sie dort lernt, kann sie auch gut in ihrer Regelklasse anwenden.

Gabriela Glos Studer erzählt ein Erlebnis aus ihrem HRU-Praktikum: «Da war ein Junge in der Klasse, der kaum auf mich reagierte. Doch am letzten Tag, als er wusste, dass nun der Abschied kommt, hat er mir in die Augen geschaut.» Er habe sie wahrgenommen, und das habe sie berührt. Gabriela Glos Studer absolviert gegenwärtig die ökumenische Zusatzausbildung HRU. Die pädagogischen und didaktischen Einheiten hat sie bereits hinter sich, das Modul zum Thema Krankheit und Behinderung in der Bibel besucht, das begleitete Praktikum von insgesamt acht Unterrichtssequenzen erfolgreich abgeschlossen. Nun ist sie an der Abschlussarbeit. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, das sie mit drei andern Katechetinnen zum Thema Arche Noah verfasst. Noch ist die Ausbildung also nicht ganz abgeschlossen.

Tasten und Fühlen

Für ihren Unterricht in der Regelklasse in Diessenhofen kann die Katechetin aber bereits vom Gelernten profitieren. Sieben Stunden zu 45 Minuten erteilt sie dort wöchentlich an Klassen zu maximal elf Kindern. Wohl sind es keine Kinder mit Mehrfachbehinderungen, kognitiven oder Sprachstörungen, wie in ihrem HRU-Praktikum. Dennoch haben auch sie Schwierigkeiten. Einige kämen aus Einschulungs- oder Kleinklassen. Andere seien zwar in der Regelklasse integriert, verstünden aber (noch) kaum Deutsch. Oft fehlten ihnen dann die nötigen Sprachkenntnisse, um einer Geschichte folgen zu können.

Gabriela Glos Studer ist deshalb überzeugt, dass gerade in solchen Situationen das Fachwissen aus dem HRU-Kurs hilfreich ist. «Mir wurde auch wieder bewusst, dass es beim Geschichtenerzählen nicht einfach um den Text, sondern um die richtige Einstimmung für eine Geschichte geht.» Also darum, den Kindern elementare Erfahrungen zu vermitteln, sie etwas spüren oder fühlen zu lassen. Als Beispiel nennt sie die Geschichte des blinden Bartimäus. «Da beschäftigt uns zuerst, was es bedeutet, blind zu sein», sagt sie. «Was wissen die Kinderdarüber, was erzählen sie?» Vielleicht hilft ihnen dann ein Spiel – bei dem sich die einen die Augen verbinden und die andern sie herumführen – sich in die Lage eines Blinden zu versetzen. «Ist die Geschichte so vorbereitet, kann ich sie in einfachen Worten erzählen», so Glos Studer.

Eine Herzenssache

Und welche Voraussetzungen sollten Interessierte am HRU mitbringen? «Es braucht vor allem Freude an Kindern und an der Botschaft, die wir vermitteln», sagt Glos Studer, «und vielleicht etwas Mut.» Erste Erfahrungen mit Behinderten können ein Vorteil sein, sind aber nicht Bedingung: «Diese Kinder schliessen einem ganz schnell ins Herz.» Auch Flexibilität sei manchmal gefragt. Das kennt die Katechetin auch aus ihrer Regelklasse. Etwa wenn Kinder gerade von einem Ereignis erschüttert sind. «Es kann sein, dass man auf das vorbereitete Programm verzichtet und stattdessen mit der Klasse einen toten Vogel begräbt, den ein Kind mit in den Unterricht gebracht hat.» Das wiederum biete die Gelegenheit, um spontan über den Tod zu sprechen, so Glos Studer. Und weiter: «Wir müssen nicht nur Lehrende sein, sondern Menschen.»

Freilich kennt die Katechetin auch schwierige Situationen, etwa wenn ein Kind stört oder sonst auffällt. «Bei Problemen ist es wichtig, dass man sich Hilfe holt», sagt sie. Sie suche dann den Kontakt zu den Lehrpersonen oder Eltern. Um Konflikte zu vermeiden, helfe es auch, den Hintergrund der Kinder zu kennen. Glos Studer informiert sich jeweils zu Beginn des Schuljahres bei den entsprechenden Klassenlehrpersonen. Vielleicht sei ein Pflegekind in der Klasse oder eines habe keine Mutter mehr. «Dann bin ich vorbereitet, wenn wir beispielsweise etwas für den Muttertag basteln wollen.»

Wichtig ist für Gabriela Glos Studer auch der soziale Aspekt des HRU-Kurses: «Man profitiert nicht nur vom Kursinhalt, sondern auch vom Zusammensein mit andern.» Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen gebe neue Inputs, da alle ihre eigenen Erfahrungen mitbrächten. Man könne sich vernetzen. Das sei besonders wertvoll, da man als Katechetin gelegentlich etwas alleine unterwegs sei. Ihre Aufgabe aber sieht sie, jenseits des Pädagogischen und Didaktischen, als Wegbegleiterin der Kinder: «Ich möchte ein Weizenkorn in die Kinder legen, das einmal aufgeht. Da vertraue ich auf Gott.»

Sibylle Zambon-Akeret

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Gabriela Glos Studer: «Ich freue mich, als HRU-Lehrperson arbeiten zu können.»

Bild: Sibylle Zambon-Akeret
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