Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 10

Schlankere Leitungsstrukturen

Das Bistum Basel verzichtet auf Dekanate

Ab 1. August gibt es im Bistum Basel keine Dekanate mehr. Damit werden die derzeit bestehenden vier Führungsebenen – Bistum, Dekanat, Pastoralraum und Pfarrei – (wieder) auf drei reduziert. Die Basis bekommt davon wenig zu spüren. Die Veränderung betrifft vor allem die Seelsorgenden, die ihre bisherigen Versammlungen neu organisieren müssen.

Die «klassische» Organisationsstruktur der Kirche besteht aus drei Ebenen: dem Bistum, den Dekanaten und den Pfarreien. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der dadurch angestossenen Synode 72 wandelte sich das Verständnis von Kirche, von ihren Aufgaben und vom Zusammenspiel von Priestern und sogenannten «Laien». Um die Verbindung der Kirchenleitung zu Haupt- und Ehrenamtlichen im Zuge dieser Entwicklungen zu stärken, führte man 1976 im Bistum Basel Regionaldekanate ein, die 2004 von drei regionalen Bistumsvikariaten abgelöst wurden.

Der 2006 verabschiedete Pastorale Entwicklungsplan (PEP) sieht vor, dass Pfarreien zum Zwecke der engeren Kooperation einen Pastoralraum bilden. Inzwischen sind 78 von 104 geplanten Pastoralräumen errichtet oder auf der Zielgeraden. Mit der Einführung von Pastoralräumen schuf das Bistum eine neue mittlere Führungsebene, welche dem gesellschaftlichen Wandel und der zurückgehenden Anzahl pastoraler Mitarbeitenden Rechnung trug. Auf der anderen Seite wurde damit aber eine Struktur geschaffen, die in gewisser Konkurrenz zu den Dekanaten – vor allem den kleineren – stand. Im Kanton Schaffhausen beispielsweise umfasst das Dekanat nur zwei Pastoralräume.

Pastoralkonferenzen

Die Bistumsleitung entschied sich, diese doppelte Struktur abzubauen und die Dekanate, die im Kirchenrecht nur als Möglichkeit vorgesehen sind, abzuschaffen. «Für die Pfarreimitglieder dürfte dieser Schritt kaum spürbar sein, da er für die konkrete Seelsorgearbeit wenig Bedeutung hat», sagt Ingo Bäcker, Spitalseelsorger und noch Dekanatsverantwortlicher des Dekanats Schaffhausen.

Bedeutsamer ist er allerdings für die Seelsorgenden bzw. Mitarbeitenden kantonaler Fachstellen, die sich auf dieser Ebene etwa drei bis fünf Mal im Jahr trafen. Diese Versammlungen dienten dem fachlichen Austausch oder der Vereinbarung von Kooperationen beispielsweise im Bereich der Jugendarbeit oder Ehevorbereitung. Es konnten auch Erfahrungen aus der Pastoral gesammelt an die Bistumsleitung weitergegeben werden. Um diese Vorteile weiterhin nutzen zu können, werden in vielen Kantonen nun als Ersatz Pastoralkonferenzen eingeführt, so auch in Schaffhausen.

«Innerhalb unserer Dekanatsgemeinschaft geht nichts verloren, weil wir weiterhin in nur leicht verändertem Rahmen zusammenkommen werden», so Ingo Bäcker. Ausserdem ist sichergestellt, dass die jährlichen Fortbildungen für Seelsorgende fortgeführt werden.

Aufgaben verschoben

«Die Dekanate hatten den Auftrag, die Zusammengehörigkeit über die Pfarreigrenzen zu stärken und von der Bistumsleitung delegierte Aufgaben zu erfüllen», fassen Margrith Mühlebach und Hanspeter Wasmer von der Bistumsregionalleitung zusammen. Zu diesen Aufgaben zählte die Einsetzung von Gemeindeleitenden, die «Abkurung» (Prüfung der Amtsgeschäfte und damit Entlastung von pastoralen Leitungspersonen nach deren Weggang), die Beerdigung von verstorbenen Seelsorgenden und bei Bedarf die Regelung des Nachlasses dieser Personen. Manche dieser Aufgaben werden auf die Pastoralraumleitungen übertragen wie z. B. die Einsetzung und Abkurung von Gemeindeleitenden. «Einige Aufgaben fallen auf uns zurück», sagt Margrith Mühlebach, «so z. B. die Einsetzung von Pastoralraumleitenden oder deren Abkurung.»

Bisher war es auch die Aufgabe der Bistumsregionalleitung, alle Dekane regelmässig zu kantonalen Konferenzen einzuladen. «Diese werden nun durch regionale Konferenzen der Pastoralraumleitungen ersetzt und werden so breiter abgestützt», so Wasmer.

Vor- und Nachteile

Aus Sicht der Bistumsregionalleitung liegt der Vorteil der strukturellen Bereinigung in einer «schlankeren Führung». Diese sei bei Mangel an Personal besonders wichtig, da die Belastung der Einzelnen jetzt schon sehr hoch ist.

Für das kleine Dekanat Schaffhausen mit zwei errichteten Pastoralräumen ändere sich nicht viel, so Ingo Bäcker: «Wo die Grössenverhältnisse anders und die Strukturen komplizierter sind, kann die Restrukturierung auch Nachteile mit sich bringen.» Er bedauert, dass die künftige Pastoralkonferenz keinen kirchenrechtlichen Leitungsstatus mehr hat, hofft aber, dass die Versammlung dies durch eine gute Vernetzung nach innen und aussen ausgleichen kann.

Detlef Kissner

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Die Dekanate Schaffhausen, Frauenfeld-Fischingen, Bischofszell und Arbon (grün umrandet, v. l. n. r.) werden zum 1. August hin aufgelöst.

Bild: © Bundesamt für Landestopografie
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