Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 10

Editorial

«Parther, Meder, Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien…» – dies ist keine Liste einer Flüchtlingsunterkunft, sondern das sind Menschen jüdischen Glaubens, die etwa 50 nach Chr. in Jerusalem lebten (vgl. Apg 2,9). Schon damals gab es offensichtlich viele Migranten, schon damals waren die grossen Städte Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen, vor allem die «heilige Stadt». Auffällig ist, dass diese Nationalitäten nicht etwa im Zusammenhang mit einer Flüchtlingskrise, mit einem geplanten Attentat oder unerwünschtem Familiennachzug genannt werden, sondern mit einem durchaus erfreulichen Ereignis: Diese «Ausländer» hören die «Einheimischen» in ihrer jeweils eigenen Sprache reden. Sie fühlen sich offensichtlich angesprochen und wohl auch verstanden. Das tut gut – nicht nur den «Ausländern».

Die spontane Völkerverständigung wird damit erklärt, dass der Freundeskreis des gekreuzigten Nazareners seinen Glauben wieder gefunden hat. Sie vertrauen wieder darauf, dass Gott in dieser Welt am Werk ist, dass sein Reich des Friedens am Wachsen ist. Sie sehen im anderen wieder den Menschen mit allen seinen Schwächen und Stärken und nicht den «Gefährder». Sie verkriechen sich nicht mehr hinter Mauern, errichten keine Grenzzäune, sondern setzen auf Zusammenhalt und Gemeinschaft, auf die Kraft der Liebe. Sie träumen wieder von der Zeit, in der alle miteinander ein Fest feiern können. Heiliger Geist eben.

Das Kunstprojekt «Nicht Anfang und nicht Ende» schafft auch Verbindungen (siehe folgenden Artikel): zwischen Nord und Süd, Ost und West, zwischen Menschen, denen es materiell gut geht und anderen, die ums Überleben kämpfen oder deren Lebensgrundlage bedroht ist. Fotos und Texte machen Zusammenhänge deutlich, gewähren Einblicke in Lebensschicksale, transportieren Stimmungen und Gefühlswelten. Sie rütteln wach, wecken Verständnis, vielleicht sogar Mitgefühl. Sind diese Menschen für uns Nachbarn oder Fremde? Wollen wir solidarisch sein oder wegschauen? Pfingstliche Erschütterungen, heiliger Geist eben.

Detlef Kissner

zurück zur Übersicht

mime file icon Gottesdienstplan (34 KB)
Webdesign: dfp.ch | Umsetzung: chrisign gmbh