Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 5

Einen Samen hineinlegen

Erfahrungen einer Katechetin

Den christlichen Glauben an Kinder weiterzugeben, macht Freude, ist aber auch anspruchsvoll. Diese Erfahrung macht Katja Schätti (41), die gerade dabei ist, ihre Ausbildung zur Katechetin abzuschliessen. Im Gespräch mit forumKirche gewährt sie Einblicke in den Unterricht mit ihrer Klasse und schildert, wie sie die Ausbildung erlebt.

Jeden Dienstagnachmittag trifft sich Katja Schätti mit ihren Zweitklässlern zu einer Lektion «Religion». Die acht Schülerinnen und Schüler kommen aus fünf verschiedenen Klassen von zwei Primarschulen. In der letzten Stunde ging es um die Fortführung der Josefsgeschichte. Die Katechetin hatte geplant, dass die Kinder ein neues Lied lernen, den Beginn der Geschichte nacherzählen und dann die Fortsetzung erzählt bekommen. An der Stelle, an der Josefs Brüder dessen blutiges Gewand an den Vater schicken, wollte sie unterbrechen und die Kinder danach fragen, wie es dem Vater wohl in dieser Situation erging: «Die Kinder sollen lernen, sich in andere Personen einzufühlen. Ausserdem ist es mir wichtig aufzuzeigen, dass in der Bibel von Erlebnissen und Gefühlen die Rede ist, die sie selber kennen.» Zur Vertiefung sollten die Kinder ihr Lapbook – eine aufklappbare Mappe – um ein weiteres, selbstgestaltetes Element erweitern. Für die «Schnelleren» hatte sie zusätzlich noch einen Lückentext vorbereitet. Mit dem Lied vom Anfang sollte die Stunde abgeschlossen werden. Ihr Plan ging auf. «Ich war überrascht, wie viel die Kinder noch von der vorangegangenen Stunde wussten.» Und sie konnte mit ihnen die vorgesehenen Lernschritte gehen.

Mit Grenzen leben

Dies ist nicht immer so. Manchmal ist die Klasse sehr unruhig. Manchmal beschäftigt ein Kind auch ein belastendes Erlebnis wie z. B. ein Schicksalsschlag in der Familie. «Dann müssen wir in der Klasse erst einmal darüber reden», sagt Katja Schätti. Die Kinder sollen ihre Sorgen loswerden. Auf die Idee, Katechetin zu werden, kam die ausgebildete Zahnarzthelferin und Polizistin durch ihre Mitarbeit bei Fiire mit de Chline. Von den Kinderfeiern zum Religionsunterricht ist es allerdings nochmals ein grosser Schritt. Sie hatte es sich einfacher vorgestellt, gesteht sie. Doch in der Zwischenzeit kann sie ihre neue Aufgabe etwas gelassener angehen: «Wenn es mal nicht so gut klappt, suche ich den Fehler nicht nur bei mir.» Die zusammengewürfelte Klasse und die geringe Stundenzahl setzen den Möglichkeiten des Religionsunterrichts gewisse Grenzen. Katja Schätti sieht deutlich, dass sie nur einen Samen in die Kinder hineinlegen kann: «Dass dieser Samen aufgeht und wächst, dazu braucht es die Familie daheim.»

Einfühlsam und echt sein

Wer Katechetin werden will, muss aus Schättis Sicht Kinder gern haben, sich für sie interessieren und einfühlsam sein. Darüber hinaus erscheint es ihr wichtig, dass man von dem überzeugt ist, was man erzählt, und vor allem dass man dabei «echt» ist. Schliesslich braucht es eine gewisse Klarheit und Konsequenz, die es einem ermöglicht, eine Klasse zu führen.

Wenn man der zweifachen Mutter zuhört, spürt man, dass das Unterrichten für sie mehr als nur ein Job ist. Es macht ihr Spass, nach Ideen und geeigneten Möglichkeiten zu suchen, Kinder für religiöse Geschichten zu begeistern. Und sie freut sich riesig, wenn dies gelingt und die Kinder zu einer Erzählung oder Person ihre eigenen inneren Bilder entwickeln können.

Persönlich profitiert

Die Grundlagen für ihre neue Aufgabe hat Katja Schätti in der modularen Ausbildung zur Katechetin erworben: «Wir haben viel gelernt, z. B. wie man Unterricht plant, Themen aufbereitet oder einen Gottesdienst gestaltet.» In bester Erinnerung hat sie den in die Ausbildung integrierten Glaubenskurs. Dort habe sie z. B. gelernt, wie biblische Geschichten zu verstehen sind. In ihrer schriftlichen Arbeit beschäftigte sie sich dann intensiv mit dem Kampf zwischen Jakob und Gott (Gen 32, 23-33): «Diese Auseinandersetzung hat mich auch persönlich weitergebracht.»

Insgesamt erlebte sie die Ausbildung als sehr herausfordernd: «Sie ist sehr zeitintensiv. Es wird viel verlangt.» Rückblickend sieht sie durchaus Möglichkeiten, die Ausbildung zu vereinfachen – indem man z. B. die Anzahl der vorgeschriebenen Abschlussarbeiten verringert –, ohne dass sie dabei Qualität verliert.

Ende dieses Monats wird Katja Schätti ihre Ausbildung mit einer Einzel- und einer Gruppenprüfung abschliessen. Danach kann sie sich ganz auf die Arbeit mit den Kindern konzentrieren. Vom Umfang her kann sie sich höchstens drei Lektionen pro Wochen vorstellen. Das Unterrichten soll für sie ein Nebenamt bleiben.

Detlef Kissner

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■ Am 14. März findet um 19.45 Uhr ein Info-Abend zur Ausbildung statt. Nähere Infos www.katechese.kath-tg.ch

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Katja Schätti bereitet ihren Unterricht im Klassenraum im Pfarrhaus von Bichelsee vor.

Bild: Detlef Kissner
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