Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 5

Editorial

Wenn etwas wächst, sich verändert, sind damit meist «Schmerzen» verbunden. Aber auf der anderen Seite entsteht auch etwas Neues. Das gilt auch für die Kirche. Moment mal, für welche Kirche? Ja richtig, da gibt es auf der einen Seite die Gemeinschaft der Glaubenden und auf der anderen das Gebäude, in dem sie miteinander Gottesdienste feiern. Vielleicht ist es kein Zufall, dass wir beim Thema «Wandel» an beide Wirklichkeiten denken. Vielleicht hat das eine mit dem anderen mehr zu tun als es auf den ersten Blick aussieht. Vielleicht hat der lang überfällige Aufbruch in unserer Kirche etwas mit der bevorstehenden Umnutzung unserer Kirche zu tun. Zieht der Wandel unseres kirchlichen Selbstverständnisses eine Entrümpelung oder einen Umbau unseres nur noch wenig genutzten Gotteshauses nach sich? Oder ist es etwa umgekehrt?

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Kirche würden Konzerte, Theaterstücke und Kabarett aufgeführt. Es würden sich dort junge Mütter mit ihren Kleinkindern treffen oder die Anonymen Alkoholiker oder es würden dort Erste-Hilfe-Kurse stattfinden. Stellen Sie sich vor, Ihre Kirche wäre ein Ort, wo Kinder turnen können, an dem ein Tanzkurs für Jugendliche stattfindet oder an dem vorbeikommende Wanderer und Fahrradfahrer eine günstige Unterkunft finden.

Es wären wieder mehr Menschen in unserer Kirche. Und es kämen solche, die vorher noch nie oder nur selten hier waren: Kinder, Jugendliche, junge Familien, Kirchenferne, Menschen anderer Religionen… Diese wären bestimmt froh, dort Gast sein zu können. Sie würden die Kirche einladend und offen erleben. Es würden wie von selbst Begegnungen mit den Menschen aus der Pfarrei stattfinden, es ergäben sich Gespräche, vielleicht auch das ein oder andere, das tiefer geht. Die Kirche – im doppelten Sinn – könnte für ein Dorf oder Quartier sehr wertvoll werden, sie könnte wieder für die Menschen vor Ort da sein. Wo sich Türen öffnen, können sich auch Herzen öffnen. Die Umnutzung einer Kirche könnte auch einen Aufbruch für eine Pfarrgemeinde bedeuten. Es gilt, nicht nur Vergangenes zu betrauern, sondern auch neue Chancen zu ergreifen.

Detlef Kissner

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