Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 3

Editorial

Den einen geht Amoris laetita zu weit, den anderen nicht weit genug. Bis heute wird über dieses abschliessende Schreiben zur Bischofssynode über Ehe und Familie diskutiert, das Papst Franziskus im März 2016 veröffentlichte. Bedeutsam erscheint mir an diesem Dokument, dass darin ein neuer Geist spürbar wird: Es geht nicht mehr in erster Linie um Moral, Kirchenrecht und Verbote, sondern der Mensch selbst rückt in den Mittelpunkt. Der Fokus wird darauf gerichtet, wie das Leben in Partnerschaften und Familien gelingen und was die Kirche dazu beitragen kann. Auch diejenigen, deren Ehe gescheitert ist, werden beachtet: die christliche Gemeinschaft soll ihnen mit Barmherzigkeit begegnen und sie nicht ausschliessen. Bezüglich der brennenden Frage des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene öffnete Papst Franziskus lediglich in einer Fussnote eine kleine Tür. Bemerkenswert ist, dass der Papst trotz wiederkehrender Kritik aus den eigenen Reihen an diesem Perspektivwechsel festhält und auch die kleine Tür nicht zugehen lässt.

Amoris laetitia ist ein erster Schritt. Wenn die Kirche für Ehepaare Ansprechpartner sein möchte, braucht es aber mehr Nähe, mehr Verständnis für sie, weg von moralischen Festlegungen. Es muss klar sein, dass man das Gelingen einer Ehe nicht garantieren kann, dass sie letztlich ein Geschenk ist. Das macht sie kostbar und zugleich zerbrechlich. Deshalb müssen auch Krisen, das Ringen um eine Beziehung und auch ihr Scheitern als Wirklichkeit wahrgenommen und ohne erhobenen Zeigefinger anerkannt werden. Dies wäre nicht nur ein wichtiges Signal an Menschen, deren Beziehung zerbrochen ist, sondern auch für andere. Heiratswillige bräuchten sich nicht überlegen, ob sie mit dem Eheversprechen das Risiko eingehen wollen, im Fall des Scheiterns abgewertet zu werden. Paare, die miteinander auf dem Weg sind, wären ermutigt, Schwierigkeiten oder Krisen in ihrer Beziehung offen anzusprechen oder sich damit an Seelsorgende bzw. Beratungsstellen zu wenden. Und schliesslich wäre es ein Signal an alle, dass die Kirche auf der Seite der Menschen steht, gerade wenn ihr Leben zu scheitern droht.

Detlef Kissner

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