Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Aktuelle Ausgabe Nr. 2

Der Kampf ums Wasser

Eindrücke aus einem Hilfseinsatz

Sie leben in zwei Welten: Wenn Annemarie (71) und Willi Rüegg (69) nicht bei sich zu Hause in Zuzwil wohnen, sind sie im Bildungszentrum der Salettiner Patres in Mapunda bei Lubango (Angola) anzutreffen. Dort unterstützen sie die Menschen vor Ort mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten. Eines ihrer Projekte hat zum Ziel, Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Dies ist in Angola nämlich Mangelware.

Als Willi Rüegg pensioniert wurde, entschlossen sich er und seine Frau Annemarie, im März 2013 für zwei Jahre nach Lubango zu gehen, um dort im Bildungszentrum Mapunda als Freiwillige mitzuarbeiten (vgl. forumKirche 2014/4). Bis heute sind sie von ihrer zweiten Heimat nicht losgekommen. «Seit 2015 sind wir allerdings nur noch etwa die Hälfte des Jahres in Mapunda», erklärt Annemarie Rüegg. Dort werden sie auch gebraucht. Willi Rüegg kümmerte sich in den letzten Jahren vor allem um die Renovierung des Bildungszentrums und den Neubau eines nahe gelegenen Internats für etwa 34 Mädchen. Annemarie Rüegg engagiert sich in der Frauenbildung. Sie lehrt jungen Frauen in einem eigens dafür ausgestatteten Saal das Nähen und erteilt in den Dörfern der Umgebung Koch- und Hygienekurse. Aber auch wenn sie daheim in Zuzwil sind, lässt sie die Sorge um die Menschen in Angola nicht los. «Letztes Jahr haben wir von hier aus einen Container mit Kücheneinrichtungen hingeschickt. Wir versuchen auch Ersatzteile zu beschaffen und Geldmittel aufzutreiben, oder übersetzen die Beschreibungen der Projekte», erzählt Willi Rüegg.

Junge Bevölkerung

Angola ist eigentlich kein armes Land. Dank seiner Bodenschätze – vor allem des Erdöls und der Diamanten – gelang der ehemals portugiesischen Kolonie in den letzten Jahren ein beachtlicher wirtschaftlicher Aufschwung. Dieser kommt allerdings nur ganz wenigen Reichen zugute. Über 60 Prozent der Menschen leben in grosser Armut. Schuld daran sind der Bürgerkrieg (1975–2002) mit seinen Folgen und die verbreitete Korruption. «Nach dem Bürgerkrieg wurde die Entminung erfolgreich durchgeführt, das Strassennetz und die Telekommunikation deutlich verbessert. Es wurden viele Spitäler und Schulen gebaut. Dennoch liegt das Gesundheits- und Bildungswesen noch im Argen», erzählt Willi Rüegg. Dass es zu wenig Schulen und Lehrpersonal gibt, liegt vor allem an der stark steigenden Kinderzahl. Derzeit liegt das Durchschnittsalter der angolanischen Bevölkerung bei 18,2 Jahren, eine Frau gebärt im Durchschnitt 6,2 Kinder.

Mangelware Wasser

Eines der grössten Probleme für die Menschen in Angola ist der Mangel an sauberem Wasser. «Über 60 Prozent der Bevölkerung haben keinen Zugang zu Trinkwasser», sagt Annemarie Rüegg. Dies erschwere die Hygiene und erhöhe die Gefahr der Verbreitung von schweren Magen-Darm-Erkrankungen. Viele Menschen müssten kilometerweit laufen, um an Wasser zu kommen. Gemäss einer Studie der UNICEF ist das Suchen und Transportieren von Wasser diejenige Tätigkeit in Angola, die durchschnittlich am meisten Zeit in Anspruch nimmt, mehr noch als z. B. der Schulbesuch. Eine adäquate Wasserversorgung für alle ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben des südwestafrikanischen Landes.

Wasser aus der Tiefe

Die Rüeggs versuchen auch in diesem Bereich Hilfe zu leisten. So organisierten sie mit Spendengeldern eine Wasserleitung für die in den Bergen gelegene Missionsstation Kola, die ein Internat mit etwa 150 Jungen und Mädchen unterhält. Nun wird dort seit einem Jahr frisches Wasser mit Hilfe einer Fotovoltaik-Anlage in die 150 Meter höher liegende Missionsschule gepumpt. Ein weiteres Wasserprojekt realisierte das Ehepaar in einem nahe gelegenen Mädchen-Internat. Dort wird das Wasser aus 30 Metern Tiefe hochgepumpt. Weil dort nur selten Strom zur Verfügung steht, wird die Elektropumpe von einem Benzingenerator betrieben. «Wir haben Luisa, eine 17-jährige, technisch begabte Schülerin instruiert, die Anlage zu bedienen», erzählt Willi Rüegg.

Ein drittes Projekt, ungefähr eineinhalb Autostunden von Lubango entfernt, ist mittendrin steckengeblieben. «Wir hatten schon Wasser gefunden, hatten aber kein Geld mehr, die Installationen vorzunehmen», so Willi Rüegg. Der Ausbau der Anlage koste etwa sieben Millionen Kwanzas, etwa 20‘000 US-Dollar. Die noch fehlenden finanziellen Mittel möchten sie in nächster Zeit in ihrem Freundeskreis zusammenbekommen. Dann kann auch diese Wasserquelle in Betrieb gehen.

Detlef Kissner

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■ Nähere Infos www.africansun.ch und http://africansolar.blogspot.com

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Das Wasser der Flüsse wird in Angola oft zum Waschen, zur Körperpflege und dann noch als Trinkwasser verwendet.

Bild: Willi Rüegg
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