Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 2

Die Orgel macht bescheiden

Auf dem Weg zum Organisten

Es braucht eine Portion Mut und vor allem viel Ausdauer, eine Orgel spielen zu lernen. Daniel Engeli hat sich auf dieses Abenteuer eingelassen und vor drei Jahren eine Ausbildung zum Organisten begonnen. Im Gespräch erzählt er, was ihn an diesem Instrument fasziniert und wie er die Ausbildung erlebt.

Eigentlich hatte ich mir einen Orgelschüler anders vorgestellt, vor allem viel jünger. Stattdessen kommt ein gestandener Mann auf mich zu und reicht mir die Hand. Daniel Engeli ist 42 Jahre alt und unterrichtet Geschichte an der Kantonsschule Romanshorn – wie sich später herausstellt. Wir setzen uns an einen kleinen Tisch in der beheizten, evangelischen Kirche von Romanshorn und beginnen unser Gespräch. Die Ausbildung an der Orgel interessiere Musikbegeisterte jeglichen Alters, klärt mich mein Gegenüber auf: «In meiner Kursgruppe ist der Jüngste gerade mal 20 und die Älteste 65 Jahre alt.»

Bei Daniel Engeli weckte die ehemalige Präsidentin der evangelischen Kirchgemeinde das Interesse. Sie ermutigte ihn, sich für die Ausbildung beim Thurgauischen Organistenverband anzumelden. Zuvor hatte er als begeisterter Klavierspieler in Gottesdiensten ab und zu an der Orgel ausgeholfen.

Gemeindeleben bereichern

«Ich wollte nicht nur Klavierlieder auf einem solch wunderbaren Instrument spielen. Ich hatte das Gefühl, nicht das Maximum herauszuholen», beschreibt Daniel Engeli seine Motivation für die Ausbildung. Ihn interessierte, wie man der Orgel mit einer anderen Spieltechnik mehr entlocken, wie man Stücke anders gestalten kann. Ausserdem wollte er mit seinem Orgelspiel einen Beitrag zum Gemeindeleben leisten.

Der Einstieg in die Welt der Orgel begann für Daniel Engeli zunächst mit einem Theorieblock. In drei Semestern, die jeweils zehn bis elf Samstagsvormittage umfassten, erhielt er zusammen mit seiner Ausbildungsgruppe Einblicke in die Musiktheorie bis hin zur Orgelliteratur (vgl. Kasten). «In diesen Kursen wurden uns in kompetenter Weise entscheidende Kenntnisse vermittelt», erzählt Engeli begeistert. Für ihn stellt diese Einführung, die mit einer kleinen Prüfung abgeschlossen wurde, den Höhepunkt seiner Ausbildung dar.

Prüfung im Blick

Der praktische Teil, der sich daran anschloss, fordert von ihm Disziplin und einen langen Atem. «Ich übe jeden Tag etwa ein bis zwei Stunden», sagt Daniel Engeli. Hinzu kommt noch der Orgelunterricht, den ihm alle zwei bis drei Wochen Simon Menges (siehe vorherige Seiten) erteilt. «Er ist sehr streng», gesteht Engeli mit einem Lächeln, «aber nur so bringt der Unterricht etwas.»

Die Mühen haben sich gelohnt: Der Hobbyorganist erweiterte nach und nach sein Repertoire und begleitet zwischenzeitlich regelmässig Gottesdienste an der Orgel. Sein Ziel ist es, die praktische Prüfung im Sommer zu bestehen. Dort muss er unter anderem ein Kirchenlied vom Blatt spielen und Lieder flexibel begleiten können. Ausserdem wird von ihm ein Repertoire gefordert, das alle Epochen abdeckt. Auch wenn ihn hie und da Zweifel beschleichen, ob er vor den Profis mit seinem Können bestehen kann, setzt er seinen Weg unbeirrt fort.

Zittern vor dem Einsatz

Wenn Daniel Engeli von seiner Orgel erzählt, gewinnt man den Eindruck, dass er von einem guten Freund spricht – einem Freund, den er bewundert, den er mag, der ihn aber auch extrem herausfordert. «Vor Einsätzen bin ich schrecklich nervös», gesteht er, «da frage ich mich schon: Warum tu ich mir das an?» Der Gottesdienst in der Christnacht ist ihm dabei noch in lebendiger Erinnerung: die Kirche ist bis auf den letzten Platz belegt, die Glocken verstummen, sein Eingangsspiel wird erwartet. «In solchen Momenten sage ich mir: Ich hätte es auch gemütlicher haben können.» Aber wenn dann alles gelingt, ist Daniel Engeli überglücklich. «Das entschädigt mich für alles.»

Darüber hinaus lehrt ihn sein «Freund» auch ein Stück Demut. Beim Spielen muss Engeli oft an die grossen Komponisten wie Bach denken und wie jedes ihrer Stücke einen wieder neu berühren kann: «Sie haben so vieles besser gemacht, waren kreativer, sind unserer Zeit voraus.» Ihm wird klar, dass ihn das Spiel an der Orgel sehr bescheiden macht.

Detlef Kissner

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Zur Ausbildung

Der thurgauische Organistenausweis entspricht dem C-Ausweis und ermöglicht im Thurgau eine Anstellung als Organist. Die Kurse zum Erwerb des Ausweises umfassen die Module «Musiktheorie », «Liturgik und Hymnologie» und «Orgelbau und Literaturkunde». Sie finden alle drei Jahre statt. Die Kurse 2018/2019 beginnen im März. Nähere Infos: www.thov.ch unter «Angebote».

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Daniel Engeli an der Metzler-Orgel in der evangelischen Kirche Romanshorn.

Bild: Detlef Kissner
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