Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 2

Editorial

«Die Orgel wird seit alters und zu Recht als die Königin der Instrumente bezeichnet, weil sie alle Töne der Schöpfung aufnimmt und die Fülle des menschlichen Empfindens zum Schwingen bringt.» Mit diesen Worten soll Papst Benedikt XVI. einst die Orgel der Regensburger Stiftskirche geweiht haben. Was genau er mit den «Tönen der Schöpfung» meinte und welche «menschlichen Empfindungen» er ansprach, ist leider nicht überliefert. Fest steht aber: Die Orgel ist eine Kategorie für sich. Sie passt in kein Etui und auch nicht in die gute Stube. Sie ist kein Orchesterinstrument, sondern kann – je nach Bauart – ein ganzes Orchester nachahmen. Kirchgängerinnen ist ihr Klang vertraut, aber vielen bleibt er fremd.

Dennoch: So sicher wie das Amen gehört auch die Orgel in die Kirche. 826 liess Kaiser Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Grossen, eine Orgel für seine Pfalz in Aachen anfertigen. Das nötige Wissen dazu kam von einem Priester aus Venedig. Allmählich etablierte sich das improvisierte Orgelspiel in der Liturgie als Eingangs- und Ausgangsspiel und als Einleitung zu Chorälen. Eine Blütezeit erreichte die Choralbearbeitung mit Orgelbegleitung im protestantischen Deutschland des 17. Jahrhunderts durch Komponisten wie Dietrich Buxtehude oder Johann Sebastian Bach. Es war aber erst im 19. Jahrhundert, dass die Orgel – auch dank der Elektrifizierung – zu orchestraler Grösse anwuchs. Seither kann sie beliebige Register ziehen: von den tiefsten Streicherklängen über helle Bläser bis zu den Himmelsstimmen, den Vox Coelestis, welche gleich Sphärenmusik zwischen Himmel und Erde zu schweben scheinen.

Gut möglich, dass Benedikt XVI auf diese Himmelstöne anspielte. Möglich auch, dass er als Pontifex – also als Brückenbauer – im Orgelklang eine Verbindung zu Gottes Schöpfung wahrnahm und ein Destillat von Gottes Erhabenheit, das die Klaviatur der menschlichen Gefühle zum Schwingen bringt.

Sibylle Zambon-Akeret

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