Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Aktuelle Ausgabe Nr. 23

Mehr als Arbeiten ohne Lohn

Freiwillig Tätige halten die Gesellschaft zusammen

Der «Internationale Tag des Ehrenamtes» oder der Freiwilligenarbeit wird jeweils am 5. Dezember gefeiert. Im Kanton Thurgau werden 40 Freiwilligen-Organisationen durch den Verein benevol unterstützt.

Sie sind in der Regel über 15 Jahre alt. Sie trainieren, kochen, backen, organisieren, referieren oder helfen da, wo Not an der Frau, am Mann, ist. Sie tun dies in Kultur und Umweltschutz, im Sportklub, bei Nachbarn, in Heimen, Kirchen, Vereinen oder Jugendgruppen. Und sie tun es «um Gottes Lohn»: die Freiwilligen oder ehrenamtlich Tätigen. Seit 1986 ist ihnen der 5. Dezember als Anerkennung gewidmet. Denn ihre Leistungen für die Gesellschaft sind unschätzbar. 2013 bezifferte das Bundesamt für Statistik (BFS) die freiwillig geleisteten Stunden auf 665 Millionen und den monetären Gegenwert auf 41 Millionen Franken. Für das Jahr 2016 stellte das BFS fest, dass etwa vier von zehn Personen Freiwilligenarbeit leisten.

Qualitätssicherung

Schweizweit setzen sich seit 1995 17 Vereine der Dachorganisation benevol Schweiz für die Interessen der ehrenamtlich Tätigen ein. Alle engagieren sich für eine wirksame Freiwilligenarbeit und tragen mit ihrer Arbeit zur Qualitätssicherung bei. «Unser Ziel ist es, die Freiwilligenarbeit zu fördern und die Gesellschaft immer wieder auf die Bedeutung des freiwilligen Engagements aufmerksam zu machen», sagt Margrit Keller. Sie ist Geschäftsführerin von benevol Thurgau.

Doch wie steht es um die Freiwilligenarbeit in Zeiten, in denen Sport- und Gesangsvereine über Mitgliederschwund klagen? Gibt es überhaupt noch Menschen, die sich unentgeltlich engagieren? Margrit Keller: «Ja! Allerdings wollen sich viele im Gegensatz zu früher nicht mehr langfristig verpflichten.» Das hänge mit gesellschaftlichen Veränderungen, wie der vermehrten Berufstätigkeit von Frauen oder den gestiegenen Anforderungen im Beruf zusammen. Wichtig bei der Begleitung von Freiwilligen sei deshalb, dass sie von den betreffenden Organisationen gut betreut würden. «Geführt wird vor allem durch Motivation», sagt Margrit Keller. Das heisst dann konkret, dass eine Volontärin eine Ansprechperson hat, dass sie am ersten Tag willkommen geheissen wird oder dass sie eine gute Einführung in ihre Tätigkeit erhält. Solche Punkte der Personalführung sind unter anderen, in den «benevol Standards für die Freiwilligenarbeit» festgehalten, mit denen benevol schweizweit arbeitet.

Honorierung ohne Geld

Ganz wichtig sei, so Margrit Keller, «dass man die Freiwilligen wertschätzt». Viele Organisationen, Kirch- oder politische Gemeinden bedankten sich deshalb von Zeit zu Zeit mit einem Essen oder einem Ausflug bei den Freiwilligen. «Das wird sehr geschätzt.» Zudem empfiehlt benevol den ehrenamtlich Tätigen das «Dossier freiwillig engagiert» abzugeben. Das ist ein Nachweis über Einsätze, Fähigkeiten und Kompetenzen einer freiwillig tätigen Person. Diese kann dann das Dossier auch bei einer allfälligen Stellenbewerbung vorlegen. Nicht selten gibt ein solches Dossier den Ausschlag zugunsten einer Kandidatur.

Bleibt die Frage, ob Freiwilligenarbeit nicht die bezahlte Arbeit konkurriert. «Nein», ist Margrit Keller überzeugt. «Freiwillige übernehmen Aufgaben, die entweder die Lebensqualität anderer Menschen verbessern oder verschönern.» Und weiter: «Sie engagieren sich in Projekten, die sonst nicht zustande kämen, weil das Geld fehlt.» Keller betont denn auch den Wert der gemeinnützigen Arbeit, der den monetären weit übersteige: «Unsere Gesellschaft funktioniert nur dank unzähligen Personen, die ihr Wissen und Können unentgeltlich und unbefristet zur Verfügung stellen.»

Sibylle Zambon-Akeret

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Freiwilligenarbeit – ein Gewinn für alle

Bild: pixabay
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