Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Aktuelle Ausgabe Nr. 23

Die Behörde wählt aus

Personalentscheidungen im dualen System

In den zurückliegenden Wochen drehte sich das Personalkarussell der Thurgauer Pfarreien häufig – zum Teil mit grossem Medieninteresse. Doch wie kommen Einstellungen und Entlassungen von pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im dualen System der Kirche zustande? forumKirche fragte die beiden Regionalverantwortlichen Margrith Mühlebach und Ruedi Heim nach den Zuständigkeiten.

Wer sucht nach einer geeigneten Person, wenn eine Seelsorgestelle in einer Pfarrei vakant ist? Und wer wählt unter den Bewerberinnen aus? Kirchenvorsteherschaft oder Bistumsleitung?

Bei diesem Verfahren ist zu unterscheiden zwischen Leitungsstellen und Mitarbeitenden- Stellen. Eine Leitungsstelle wird immer auch amtlich in der Schweizerischen Kirchenzeitung ausgeschrieben. Diese Ausschreibung geschieht in Kooperation von Bistumsregionalleitung und Behörde vor Ort. Die Kirchenvorsteherschaft/der Kirchenstand entscheidet, ob sie zusätzlich ein Inserat in die SKZ oder online setzen wollen.

Daraufhin melden sich die interessierten Personen bei der Abteilung Personal des Bistums, welche die Dossiers und damit die Voraussetzungen der Person prüft. Danach werden die Kandidaten/-innen an die Behörde gemeldet und es kommt zu Vorstellungsgesprächen. Die Behörde wählt dann aus und schlägt der Kirchgemeinde-Versammlung die Person zur Wahl vor, wenn eine Ernennung zum Pfarrer bzw. Gemeindeleiter/-in seitens des Bischofs möglich ist. Dies ist zurzeit der Fall in den errichteten Pastoralräumen.

Welchen Einfluss hat das Bistum auf die «Personalpolitik» einer Kirchgemeinde?

Die Leitung einer Pfarrei entscheidet zusammen mit der Behörde der Kirchgemeinde und basierend auf dem Pastoralraumkonzept, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen und welches Personal gesucht wird. Mit der Festlegung des Führungstyps eines Pastoralraumes durch den Bischof werden entsprechend auch Personen für die Leitung der Pfarrei gesucht. Der Bischof besetzt die Seelsorgestellen, weil sie in seinem Namen und seinem Auftrag handeln und entsprechend für diese Arbeit eine Missio erhalten. Diese ist die Voraussetzung für die Anstellung durch die Kirchgemeinde.

In welchen Fällen werden Priester als Pfarradministratoren bzw. Pfarrer eingesetzt?

Bischof Felix hat von Bischof Kurt übernommen, dass Priester als Pfarrer und Theologinnen/-en als Gemeindeleiter eingesetzt werden, wenn der Pastoralraum errichtet ist und die Voraussetzungen seitens der Person dazu gegeben sind. Falls der Pastoralraum noch nicht errichtet ist, werden sie seitens des Bischofs als Pfarradministratoren bzw. Gemeindeleiter/-innen ad interim beauftragt. In diesem zweiten Fall ist auch keine Wahl durch die Stimmberechtigten der Kirchgemeinde vorgesehen. Eine allfällige Wahl findet zeitlich in der Nähe des Errichtungstermins des Pastoralraumes statt.

Wer kümmert sich um die Personalentwicklung (Weiterbildung, Supervision von Teams usw.) von Seelsorgerinnen?

Weiterbildung ist dem Bischof und der Diözesankurie wichtig. Darum sind auch zehn Tage pro Jahr dafür vorgesehen. Finanziert werden diese in unserem dualen System der katholischen Kirche in der Schweiz durch die Kirchgemeinden. Mitarbeitergespräche sind dazu ein normales Führungsinstrument auf der pastoralen Linie und in ihnen wird die Weiterbildung thematisiert. Supervisionen werden auf Wunsch von Seelsorgenden in Anspruch genommen und manchmal auch verordnet. Ebenso wichtig scheint uns die Inanspruchnahme geistlicher Begleitung der einzelnen Seelsorgenden.

Wie spielen Kirchenvorsteherschaft und Bistumsleitung zusammen, wenn es zu einem Konflikt mit einem Seelsorger kommt?

Bei Konflikten gibt es je nach Situation und Thematik unterschiedliche Vorgehensweisen. Wenn möglich soll dies subsidiär geschehen – durch die Leitung der Pfarrei oder die Leitung des Pastoralraumes. Manchmal wird die Bistumsregionalleitung hinzugezogen.

Manchmal geschieht das in enger Zusammenarbeit mit der Behörde vor Ort. Wichtig ist in unserem dualen System der Kirche, dass die Agierenden einander offen und eng informieren. Aber jeder Konfliktfall ist wie im Leben einer Familie von ganz unterschiedlicher Natur.

Interview: Detlef Kissner

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Missio

Die Missio canonica ist in der römischkatholischen Kirche die Beauftragung mit Verkündigungs- und Lehraufgaben. Sie wird vom Bischof an Priester, Laientheologinnen und Religionspädagogen verliehen und berechtigt diese, ihren Dienst in der Pfarrei oder Schule auszuüben.

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Bischof Felix Gmür bei der Einsetzungsfeier (Institutio) von vier Theologinnen und eines Theologen im Mai dieses Jahres. Mit dieser Einsetzung ist die Verleihung der Missio canonica
verbunden.

Bild: zVg
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