Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Aktuelle Ausgabe Nr. 23

«Man muss Menschen mögen»

Die vier «M»s gelten auch für den Samichlaus

Stefan Schönauer hat eine Berufung, der er jeweils für kurze Zeit intensiv nachgeht: Er ist «Samichlaus» in der St. Nikolaus- Gesellschaft Neuhausen. Als solcher weiss er, wie man Geschichten erzählt und warum es keine Rute braucht.

Herr Schönauer, wie qualifiziert man sich als Samichlaus?

Das geschieht einerseits durch eine Art Lehre und andrerseits durch ein Samichlaus-Seminar, das wir anbieten. Ich war zuerst Ministrant, Oberministrant und habe dann mehrere Jahre lang einen erfahrenen Samichlaus begleitet, bis der dann fand, ich könne mich jetzt auch als Samichlaus versuchen. Dann habe ich ein internes Samichlaus-Seminar besucht, das die Dienstältesten jeweils anbieten.

Gibt es auch persönliche Gründe?

Ich hatte schon als Kind Freude am Samichlaus. Für mich ist wichtig, dass diese Tradition weitergeht. Wenn ich ins Kleid schlüpfe, beginnt für mich die Vorfreude auf Weihnachten.

Welchen Bezug haben Sie zum Vorbild des Samichlaus, zu Nikolaus von Myra?

Für mich ist er ein Heiliger, der viel Gutes getan hat. Einer, der sich für die Armen, die Bedürftigen und für Kinder einsetzte. Aber auch einer, der den Reichen ins Gewissen reden konnte. In alldem ist der Chlaus wie ein Vorbote für Jesus Christus. Er weist auf das viel grössere Fest von Weihnachten hin.

Welche Eigenschaften braucht ein Samichlaus?

Er muss vor allem einfühlsam sein. Zudem ist es gut, wenn er eine feste Stimme hat und deutlich spricht. Es hilft auch, wenn er Geschichten erzählen kann; denn Kinder lieben es, wenn ihnen der Chlaus vom heiligen Nikolaus erzählt. Und dann braucht es einfach die vier «M»s: Man muss Menschen mögen.

Wann beginnen die Vorbereitungen?

Anfangs Oktober überarbeiten wir die Anmeldeformulare für Chlausbesuche. Dann folgen die Öffentlichkeitsarbeit und die Festlegung der Einsatztermine. Dazu treffen wir uns jeweils zu einer «Bischofskonferenz».

Wie bereiten Sie sich auf Ihren Einsatz vor?

Ich studiere zuerst die ausgefüllten Formulare, die ich von den Eltern erhalten habe. Manchmal frage ich telefonisch nach, wenn etwas nicht klar ist. Oder ich bitte noch um Informationen über Eltern oder Grosseltern. Die Kinder schätzen es sehr, wenn ich auch etwas über die Erwachsenen sage. Einen Tag vor meinem Einsatz fahre ich die Route ab, damit ich die Zeit richtig einteilen kann und mein Ziel auch im Dunkeln finde. Kurz vor dem Besuch prägt man sich die Namen der Kinder ein, bespricht sich mit dem Schmutzli und überlegt, ob man noch eine Geschichte erzählt.

Wie viele Hausbesuche machen Sie im Advent?

Normalerweise machen wir auch an den Tagen und Wochenenden vor und nach dem 6. Dezember Besuche, etwa in Heimen, Spielgruppen und Vereinen. Am Samichlaustag selbst sind es fünf bis sechs Besuche. Von einer Tür zur nächsten dauert es durchschnittlich eine Dreiviertelstunde. Dann ist man etwa eine knappe halbe Stunde bei den Familien.

Was ist Ihre schönste Erinnerung?

Wir haben jedes Jahr eine Familie, die sich in einer Waldhütte trifft. Die Leute kommen aus der halben Schweiz und freuen sich schon das ganze Jahr auf diesen Anlass. Das ist auch für uns ein kleines Fest.

Gibt es auch negative Erlebnisse?

Es gibt manchmal Eltern, die den Samichlaus als Weihnachtsmann verstehen, der Geschenke bringt. Dann muss man den Kindern sackweise Geschenke bringen. Da geht der eigentliche Sinn des Besuchs unter. Dieses Verwöhnen ist nicht das, was wir wollen.

Glauben denn die Kinder noch an den Samichlaus?

Ja, ich glaube, die meisten schon. Und die andern können es irgendwie einordnen, dass man quasi in der Nachfolge eines Vorbildes feiert.

In Neuhausen findet jeweils der «Samichlaus-Auszug» statt. Was ist das?

Es ist ein Umzug mit etwa zehn Samichläusen und Schmutzlis. Er beginnt bei der Kirche Heilig Kreuz. Dort dürfen die Kinder ihre Sprüche aufsagen und erhalten dafür einen Grittibänz. Dann ziehen wir – begleitet von den Kindern mit Laternen – zum Dorfplatz, wo es nochmals ein Geschenkssäcklein gibt.

Wie steht es mit der Rute?

Die Rute hat nichts mit dem Samichlaus zu tun. Sie erinnert an den Zweig der heiligen Barbara, die ihren Namenstag am 4. Dezember hat. Die Heilige hatte im Gefängnis einen Zweig ins Wasser gestellt. Der begann zu blühen, und das gab ihr Hoffnung und Standhaftigkeit. Die «Rute» ist also eigentlich ein Zweig, durch dessen Berührung der Funke der Hoffnung und der Vorfreude auf Weihnachten auf die Kinder überspringen soll.

Woran haben Sie am meisten Freude?

Wenn die Kinder etwas vorbereitet haben, und wenn die Feier bescheiden bleibt. Wenn es einfach einen Sack mit Nüssen, Schoggi und Mandarinen für alle gibt. So, wie das ursprünglich vom heiligen Nikolaus gemacht worden war.

Interview: Sibylle Zambon-Akeret 

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 ■ Nähere Infos: www.kath.neuhausen-hallau.ch > St. Nikolaus

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Die Schiffsrettung
(erzählt von Anselm Grün)


Als Bischof war Nikolaus sehr beliebt beim Volk. Er half den Menschen, wo er nur konnte. Er war gütig, und jeder konnte mit seinen Sorgen zu ihm kommen. Einmal gerieten ein paar Seeleute in einen schlimmen Sturm. Die Wellen warfen ihr Schiff hin und her und sie drohten, mit ihm unterzugehen. In ihrer Not riefen sie zu Nikolaus: «Nikolaus, wenn es wahr ist, was wir Gutes von dir gehört haben, dann hilf auch uns!» Da sahen die Seeleute, wie Nikolaus über das Wasser auf sie zugelaufen kam. Er sagte zu ihnen: «Ihr habt mich gerufen. Hier bin ich.» Nikolaus stieg zu den Seeleuten aufs Schiff und half ihnen mit ihren Segeln und dem Ruder. Auf einmal legte sich der Sturm. Kein Lüftchen regte sich mehr. Nikolaus aber verschwand so schnell, wie er gekommen war. Die Seeleute brachten ihr Schiff sicher in den Hafen von Myra. Dort gingen sie sofort zur Bischofskirche von Nikolaus und dankten ihm für ihre Rettung. Nikolaus aber sprach zu ihnen: «Nicht mir müsst ihr danken, sondern Gott. Er hat euch gerettet.» Seit diesem Tag ist Nikolaus der Schutzpatron der Seeleute.

■ Weitere Geschichten:  Siehe nachstehender Buchtipp

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Buchtipp

Die Legende vom heiligen Nikolaus

Pater Anselm Grün erzählt in kindgerechter Sprache die bekanntesten Legenden, die sich um das Leben des heiligen Nikolaus ranken: vom Kornwunder in Myra, von den drei armen Mädchen und den Goldklumpen oder von der Rettung der Seeleute. Pater Anselms Texte lassen die Geschichten wieder aufleben und bringen uns den Heiligen, der wahrscheinlich im 6. Jh. gelebt hat, auf wunderbar einfühlsame Weise näher. Die atmosphärischen und farbenprächtigen Bilder des preisgekrönten italienischen Illustrators Giuliano Ferri machen das Buch zu einem stimmungsvollen Highlight für die ganze Familie.

Autor: Anselm Grün OSB
Illustration: Giuliano Ferri
Herder, 2017
ISBN 978-3-451-71141-1

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Stefan Schönauer: Samichlaus aus Berufung

Bild: zVg
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