Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 21

«Je mehr wir sind, desto besser»

Im Gespräch mit dem neuen pastoralen Leiter von Kreuzlingen

Er kommt aus Oberschlesien, hat ein sonniges Gemüt und ist leidenschaftlich gern Redemptorist. Pater Jan Walentek wird als Nachfolger von Pfarradministrator Alois Jehle ab November die seelsorglichen Geschicke der Pfarrei St. Ulrich in Kreuzlingen leiten (vgl. forumKirche 2017/20, Seite 8). Bei einem Treffen im Priesterhaus Bernrain gibt der 53-Jährige Einblicke in sein Leben und erzählt, wie er sich den Start in Kreuzlingen vorstellt.

Eigentlich wollte Jan Walentek ein Jahr vor seiner Matura nur eine Wallfahrt unternehmen. Doch es sollte mehr werden. Der Drang, an einen Ort zu wallfahren, an dem er noch nie war, führte ihn nach Tuchów zum Kloster der Redemptoristen. Dort erlebte er einige unscheinbare Fügungen, die seinem Leben eine entscheidende Wendung geben sollten. Eine dieser Begebenheiten trug sich in der Dunkelheit eines einfachen Massenschlaflagers zu. Ein alter Mann forderte ihn auf, zu erzählen, was ihn nach Tuchów führe. Er schilderte, wie er zufällig auf der Rückseite einer Zeitschrift auf das Patrozinium des Wallfahrtsortes aufmerksam geworden sei. Daraufhin sagte eine Frau ins Dunkle hinein: «Wir wollen für dich beten, denn vielleicht will Gott dich hier haben.» Andere stimmten ihr zu. «Ich wusste damals noch nicht, welche Bedeutung dieser Satz für mich bekommen sollte», sagt Pater Jan. Ein Zufall führte ihn damals auch in den Speisesaal des Klosters, wo sich etwa 200 Redemptoristen zum Mittagessen versammelt hatten. «Dort war so eine gute Stimmung. Das hat mir sehr gefallen», erinnert sich Pater Jan. Ein Jahr später liefen für ihn all diese Erfahrungen auf einen Punkt zu: Er wollte in den Orden eintreten und Priester werden.

Pastorale Erfahrung

So zog er mit 19 Jahren ins Priesterseminar von Tuchów und begann dort Philosophie und Theologie zu studieren. Anderthalb Jahre später legte er seine Ordensprofess bei den Redemptoristen ab. Nach der Priesterweihe 1991 folgten drei Kaplansjahre in einer grossen Pfarrei in Glogau. «Dort gab ich Unterricht am Gymnasium und war für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig», erzählt Jan Walentek, der in seiner Jugendzeit selbst Ministrant und Pfadfinder war. Nach diesem Einsatz in der Seelsorge schloss er sein weiteres Theologiestudium an der katholischen Universität Lublin mit dem Lizentiat ab und unterrichtete fünf Jahre lang Fundamentaltheologie und Ökumenismus am Priesterseminar Tuchów.

Neben der Theologie interessierte Pater Jan auch die deutsche Sprache. Er belegte Kurse am Goethe-Institut und schloss diese mit dem «Grossen Deutschen Sprachdiplom» ab. Seine guten Deutschkenntnisse ermöglichten es ihm, immer wieder priesterliche Aushilfe in Bayern zu leisten. Sie waren auch ausschlaggebend dafür, dass er 2004 ins Burgenland versetzt wurde, wo er vier Jahre als Kaplan tätig war und weitere acht Jahre als Pfarrer drei Gemeinden leitete. Nach der Auflösung der dortigen Redemptoristen-Gemeinschaft wechselte Jan Walentek im September 2016 nach Kreuzlingen.

Armen helfen

Und was liegt ihm als Seelsorger am meisten am Herzen? Darüber braucht Pater Jan nicht lange nachzudenken: «Armen die frohe Botschaft zu verkünden, so wie es der Gründer der Redemptoristen, der heilige Alfons Maria von Liguori, gesagt hat.» Und «Arme» sind für ihn nicht nur die materiell Armen, sondern alle, die bewusst oder unbewusst «Durst nach Gott» haben. Menschen durch den Glauben an Gott wieder eine Perspektive im Leben zu geben, sei überhaupt das grosse Anliegen der Redemptoristen und das könne er von ganzem Herzen mittragen. Wenn Pater Jan am 1. November als Pfarradministrator in St. Ulrich beginnt, möchte er zunächst alle Mitarbeitenden kennenlernen, hören, was ihre Anliegen sind, und sich ein Bild machen, in welche Richtung es weitergeht. «Es soll sich erst einmal nichts ändern. Die Gottesdienstordnung bleibt, alle Projekte laufen weiter wie bisher.»

In der Gemeinschaft leben

Als Pater Jan nach Kreuzlingen kam, war er positiv überrascht über das Interesse vieler Menschen am Pfarreileben. Dies soll so weitergehen. Er möchte offen sein für alle, die sich einbringen wollen: «Je mehr wir sind, desto besser.» Ab 1. Januar, wenn sich Pfarrer Josef Gander in den Ruhestand begibt, wird Pater Jan auch die seelsorgerliche Leitung in der Pfarrei St. Stefan übernehmen. Wo er dann sein Büro haben wird, weiss er heute noch nicht. Klar ist auf jeden Fall, dass er weiterhin zusammen mit seinen Ordensbrüdern im Priesterhaus Bernrain wohnen möchte. «Denn Redemptoristen leben normalerweise in einer Gemeinschaft», so Pater Jan, «und das gefällt mir.»

Detlef Kissner

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Pater Jan Walentek vor dem Eingang des Priesterhauses Bernrain.

Bild: Detlef Kissner
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