Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 21

Gemeinsam gegen die Krise

Hilfsprojekt der JUSESO in Griechenland

Eine Gruppe junger Menschen verbrachte im Oktober eine Woche in der Agglomeration von Athen, um Bedürftigen zu helfen. Finanziell unterstützt wurde das Projekt Swiss for greece u. a. von verschiedenen Kirchgemeinden. Gabriela Dedaj, Maria d’Agostino und Davide Formica berichten über ihre Erlebnisse in Griechenland.

Auf Worte Taten folgen lassen, unbürokratisch und direkt vor Ort. Diesem Motto sind die Jugendlichen zusammen mit dem JUSESO-Team der katholischen Landeskirche Thurgau gefolgt. Entstanden ist die Idee – eine Woche Zeit für ein Hilfsprojekt zu spenden – in einem Schulendkurs der JUSESO anfangs 2017. Schnell war klar, dass Hilfe in einem der Balkanländer gebraucht wird. Es gab bereits Kontakte zu Griechenland, das seit zehn Jahren heftig unter einer Finanzkrise leidet. Zudem ist Maria halb Griechin. Sie hat die Unterkunft des zehnköpfigen Teams organisiert. Während der Treffen wurden die Ziele der Hilfsaktion besprochen und Kontakte für die ersten Einsätze geknüpft. Finanziell unterstützt von verschiedenen Kirchgemeinden, privaten Personen oder den eigenen Familien reiste die Gruppe am 13. Oktober nach Athen.

Leben am Existenzminimum

Bereits hat der Schweizer Alltag Gabriela, Maria und Davide wieder eingeholt. Doch die Erlebnisse und die Begegnungen hallen deutlich nach. «Es war eine eindrückliche Erfahrung», sagen alle drei. Eine Erfahrung, die einerseits ein gutes Gefühl hinterlässt, aber auch sehr nachdenklich stimmt. Gabriela: «Wir sind uns in der Schweiz zu wenig bewusst, wie gut es uns geht.» Diese Aussage bezieht sich gleich auf mehrere Umstände. Zum Beispiel das Schulsystem. Eine Berufslehre kennt man in Griechenland nicht. Die meisten Jugendlichen machen das Abitur, bleiben nachher aber ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote ist enorm hoch. «Viele Angestellte haben seit dem Beginn der Finanzkrise ihren Job verloren und leben vom Kindergeld, das bis 18 Jahre ausbezahlt wird», erzählt Maria. Viele Leute verschulden sich und leben am Existenzminimum. Trotz dieser misslichen Situation fällt es den Griechen manchmal schwer, Geldspenden oder Hilfe anzunehmen. Maria erzählt, dass das Team einer Familie helfen wollte, die Wohnung zu streichen. Im letzten Moment habe die Familie abgesagt. Vielleicht aus Stolz oder aus Scham, vermutet Gabriela.

Ein Mit- und Füreinander

Auch Davide hat gemerkt, dass Hilfe nicht immer sofort ankommt. Mehrmals half das Team in der lokalen Gassenküche mit. «Wir mussten das Essen den Menschen richtig unter die Nase halten, damit sie es annahmen», sagt er. Es kamen aber immer viele Leute, um sich mit einer Mahlzeit einzudecken. Wie bedürftig diese Menschen waren, liess sich schlecht erkennen. «Das war nicht so wichtig», sagt Gabriela. Entscheidend ist, dass die Gassenküche allen Menschen offen steht. Es wird ein bewusstes Mit- und Füreinander gelebt. So gab es auch Obdachlose, die sich in der Gassenküche nützlich machten. Das Büro der Gassenküche dient auch als Hausaufgaben- und Spielzimmer für Kinder. Gespendete Kleider werden hier ebenfalls aufbewahrt. Diese hat das Team inzwischen sortiert, damit die Kleider weitergegeben werden können.

Vorurteile überdenken

Einprägsame Begegnungen gab es einige. Da ist die alleinstehende Frau, die zu Hause auf dem Sofa schläft, für ihre wenig Quadratmeter grosse Wohnung 100 Euro ab - geben muss und von 100 Euro lebt. «Wir kauften Grundnahrungs-, Reinigungs- und Pflegemittel für sie ein», sagt Gabriela. Davide erinnert sich an einen Einsatz in der Gassenküche, an dem sie Sandwiches zubereiteten. «Einer kam achtmal vorbei», sagt er lachend. Und Gabriela erzählt von der Mutter mit zwei Jugendlichen, die in einer schönen Wohnung zuhause sind. «Zuerst war ich ärgerlich, da die Familie recht wohlhabend schien.» Es stellte sich heraus, dass der Mann nach kostspieligen Behandlungen an Krebs gestorben war, die Frau nur reduziert arbeitet und extrem verschuldet ist. «Da musste ich meine Vorurteile schnell überdenken», sagt sie. Wenn die Menschen die Hilfe annehmen, so sind sie extrem dankbar. Und sie sind trotz allem nicht deprimiert, sondern scheinen hoffnungsvoll. Mitleid ist weniger erwünscht, es geht mehr darum, gemeinsam gegen die Krise vorzugehen. Deshalb soll das Projekt auch nächstes Jahr durchgeführt werden.

Claudia Koch

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■ Weitere Informationen: www.swissforgreece.jimdo.com

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Die Gruppe bei einer abendlichen Besprechung mit Daniel Scherrer (2. v. l.), dem Leiter der JUSESO.
Mit dabei sind auch Davide, Maria und Gabriela (1., 3. und 7. v. r.).
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