Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 21

Editorial

Alte, romanische Kirchen haben es mir angetan. Wenn ich mich in ihre einfache, wuchtige Obhut begebe, frage ich mich unwillkürlich, was diese alten Steine wohl schon alles «gesehen» haben. Ähnlich ergeht es mir in der kleinen Kapelle von Landschlacht. Ich stelle mir vor, wie früher eine einfache Bäuerin dieses Gotteshaus durch den niedrigen Seiteneingang am Sonntag betreten hat – froh, für eine kleine Weile dem unerbittlichen Rhythmus der Arbeit zu entfliehen. Diese Kirche war für sie ein kostbarer Ort: ein sauberer Steinboden und der Duft von Weihrauch statt des Schlamms und des Gestanks der Strassen, bunte Bilder statt des grauen, eintönigen Alltags. Vielleicht hat sie das Wandbild, auf dem die Rettung der Königin und ihres Kindes dargestellt ist, besonders bewegt. Mir kommen all die Menschen in den Sinn, die in Sorge oder Trauer hierher kamen, um zu beten. Sicherlich auch der eine oder andere Verfolgte, der den heiligen Leonhard anrief, ihn vor dem Kerker zu bewahren. Wie viel Menschen haben hier schon miteinander Weihnachten, Karfreitag und Ostern gefeiert? Wie viele haben in diesen Mauern voll Hoffnung geheiratet, haben die Taufe empfangen oder wurden betrauert, bevor sie zu Grabe getragen wurden? Einfache Menschen und Adlige, Aufrichtige und Schlitzohren, Gebrochene und Hoffnungsträger...

Mit diesen Steinen sind jahrhundertalte Geschichten verbunden. Die Menschen, die hier gelacht, geweint und gebetet haben, sind nicht einfach «weg». Sie sind ein Teil dieses Hauses. Sie stehen in geheimnisvoller Weise um den Altar und feiern mit uns Eucharistie wie es im Hochgebet angedeutet wird: «Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen...».

Kirchen wie die Leonhardskapelle sind besondere Orte – Orte geballten Lebens und durchlebten Glaubens. Sie laden dazu ein, innezuhalten, sich in den Fluss der Geschichte zu stellen und sein «kleines» Leben innerhalb grösserer Zusammenhänge zu betrachten. Hier erdet sich Freude, relativieren sich Sorgen, verblasst Ärger. Wo viele gesucht und sich Gott anvertraut haben, entsteht Weite und Zuversicht – nicht nur für Gläubige.

Detlef Kissner

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