Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 19

Den Tieren eine Stimme geben

Ein Verein mahnt zur Ehrfurcht vor dem Leben

Franz von Assisi soll zu Vögeln gepredigt haben. Heute erhebt der Verein AKUT-CH (Aktion Kirche und Tier) seine Stimme und will die Kirchen gegenüber den Mitgeschöpfen vermehrt in die Pflicht nehmen.

Am 4. Oktober endet die Schöpfungszeit. Das ist die Zeit des Kirchenjahrs, in welcher ganz besonders der Bewahrung der Schöpfung gedacht wird. Der 4. Oktober ist auch der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Dieser gilt als Schutzpatron der ökologischen Bewegung. Dazu beigetragen hat wohl sein Lob auf Gottes Schöpfung im bis heute berühmten Sonnengesang. Berichtet wird aber auch von seiner Tierliebe, insbesondere soll Franz zu den Vögeln gepredigt haben. Auch wenn diese Zeugnisse im Bereich der Legenden anzusiedeln sind, so ist doch klar: Franz von Assisi wird bis heute als Fürsprecher der Tiere wahrgenommen. Ein Anliegen, dessen sich seit 2004 der Verein AKUT-CH annimmt. Dieser setzt sich überkonfessionell und politisch neutral für einen würdigen Umgang mit Tieren und eine Sensibilisierung in Kirche und Theologie ein.

Vernunft und Verantwortung

Christoph Ammann ist seit gut einem Jahr Präsident von AKUT-CH. Der promovierte Theologe und Pfarrer beschäftigt sich seit Langem mit Fragen zum Verhältnis von Kirche und Tier. Er stellt fest: «Das Bewusstsein für Tiere ist in der Kirche immer noch unterentwickelt.» Dem soll abgeholfen werden. «Der christliche Glaube betrifft ja unser ganzes Leben. Da kann man Fragen, die Tiere betreffen, nicht einfach ausklammern.» Ammann betont die Nähe von Mensch und Tier, die auch biblisch bestehe: «Biblisch gesehen gehören Mensch und Tier zu den Geschöpfen», so Ammann. Das hebräische Wort «Nefesch», das häufig mit «Seele» übersetzt wird, finde sich im Alten Testament denn auch bezüglich vieler Tiere. «Aber», so Ammann, «der Mensch hat als Ebenbild Gottes eine Sonderstellung innerhalb der Schöpfung.» Als vernunftbegabtes Wesen, das die Auswirkungen seines Handelns abschätzen kann, trage er eine besondere Verantwortung. Wenn Christoph Ammann vom verantwortungsvollen Umgang des Menschen mit Tieren spricht, richtet er sich nicht nur an Haustierhalter und ihre Schützlinge. Ihn interessieren auch die übergeordneten ethischen und theologischen Fragen, die den Umgang der Gesellschaft mit Tieren betreffen.

Ehrfurcht vor dem Leben

Ammann stellt fest: «Früher sagte man, Tiere sind für den Menschen geschaffen, deshalb darf man sie nutzen und töten.» Heute habe das aber in der Fleischproduktion und Forschung zur industriellen Nutzung des Tieres in einem nie gekannten Ausmass geführt. «Das Verhältnis zum Tier hat sich entpersönlicht», so Ammann. Andererseits habe die Sensibilität für das Tierwohl und Tierleid zweifellos zugenommen. «Das ist eine grosse Spannung», sagt Ammann. Eine Spannung die er nicht durch Regeln oder Verbote lösen will. Vielmehr plädiert Christoph Ammann für ein Handeln im Sinne von Albert Schweitzers Votum «Ehrfurcht vor dem Leben».

Generell wünscht sich Christoph Ammann, «dass Tiere als unsere Mitgeschöpfe mehr Raum im kirchlichen Leben und Denken bekommen». Das ist denn auch ein übergeordnetes Ziel der Vereinsarbeit. Konkret möchte der Verein eine Selbstverpflichtungserklärung für Gemeinden und kirchliche Kreise ausarbeiten. Zudem möchte er als Kompetenzzentrum Informationen zur religiösen Komponente der Mensch-Tier-Beziehung sammeln, erarbeiten und Interessierten zur Verfügung stellen. Schliesslich stehen auch die Vernetzung von Institutionen und der Dialog mit Entscheidungs- und Amtsträgern in Kirchen ganz oben auf der Agenda.

Sibylle Zambon-Akeret

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AKUT-CH – Aktion Kirche und Tier

Der gemeinnützige Verein AKUT-CH ist parteipolitisch neutral und konfessionsübergreifend. Er zählt rund 300 Mitglieder aus kirchlichen und nichtkirchlichen Kreisen. Hauptanliegen des Vereins ist es, Kirche und Gesellschaft für einen achtsamen Umgang mit Tieren zu sensibilisieren. Der Verein AKUT-CH wurde 2004 gegründet. Seine Wurzeln gehen auf das deutsche Pfarrer Ehepaar Christa und Michael Blanke zurück. Sie formulierten in den 1980er-Jahren die theologische Basis für das Verhältnis von Kirche und Tierschutz. Massgeblich geprägt wurde AKUT-CH auch durch den langjährigen Präsidenten, den Kapuziner und Schriftsteller Anton Rotzetter. Seit 2016 wird der Verein von Christoph Ammannn präsidiert und seit diesem Sommer von Eveline Schneider Kayasseh geführt.

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Mensch und Tier als Schöpfungsgefährten

Bild: pixabay.com
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