Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 19

Ökologische Pioniere

Grüner Güggel auch für die Landeskirche

Ihr Ziel ist es, Ressourcen zu schonen, Abfall zu vermeiden, andere für ökologische Zusammenhänge zu sensibilisieren. Und dafür erhalten sie Ende Oktober das Zertifikat Grüner Güggel. Sie – das sind vier Thurgauer Kirchgemeinden und die katholische Landeskirche Thurgau mit ihrer Verwaltung im Zentrum Franziskus.

Kirchliche Einrichtungen im Thurgau unterhalten mehrere hundert Liegenschaften, brauchen Strom, Heizung, Wasser, Papier und andere Ressourcen und bestimmen Inhalte in Bildung und Katechese. Ihre haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden geben mit ihrem Verhalten ein Beispiel, das von anderen wahrgenommen wird. Damit haben die christlichen Kirchen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Prozesse, die die Umwelt betreffen, und eine entsprechende Verantwortung. Das Umweltmanagementsystem (UMS) Grüner Güggel hilft diese Verantwortung auf effektive und nachhaltige Weise wahrzunehmen. Es trägt nicht nur dazu bei, die Energieeffizienz zu erhöhen, sondern hat auch die Abfallreduzierung, das Beschaffungswesen, die Umgebungsgestaltung oder die Arbeitssicherheit im Blick.

Im Herbst 2015 hatten erstmals fünf katholische Kirchgemeinden aus dem Thurgau das Zertifikat Grüner Güggel erhalten. Kurz darauf starteten die katholischen Kirchgemeinden Amriswil, Dussnang, FrauenfeldPlus und die evangelische Kirchgemeinde Arbon die zweite Staffel mit dem Ziel der Umweltzertifizierung. Mit von der Partie ist dieses Mal auch die katholische Landeskirche mit ihrem Generalsekretariat, den Fachstellen und nahestehenden Institutionen, die alle im Zentrum Franziskus beheimatet sind (vgl. forumKirche 2016/8, Seite 8).

Ökologische Herausforderung

«Das Zentrum Franziskus ist geradezu prädestiniert für den Grünen Güggel, da es mit seiner Minergie-Bauweise schon viele Voraussetzungen mitbringt, die eine ökologische Führung erleichtern», sagt Bruno Strassmann, Leiter der Kirchlichen Erwachsenenbildung und Mitglied des kleinen Projektteams im Haus. Er hebt hervor, dass Papst Franziskus mit seiner im Mai 2015 erschienen Enzyklika Laudato Si auf die drängende Umweltproblematik aufmerksam machen wollte. In der Gesamtkirche sei man bisher aber verhalten auf dieses Anliegen eingegangen. Deshalb sei es wichtig, dass man an vielen Orten in der Kirche damit beginne, sich diesen brisanten Fragen zuzuwenden und ökologisch verantwortungsvoll zu handeln. «Es ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen», ist Strassmann überzeugt. Die Bereitschaft der Landeskirche Thurgau, beim Projekt Grüner Güggel mitzuwirken, ist seiner Ansicht nach ein konsequenter Schritt mit Signalwirkung für Kirchgemeinden und andere landeskirchliche Verwaltungen.

Umweltfreundliches Papier

Am Anfang des Zertifizierungsprozesses stand die Ausarbeitung von Schöpfungsleitlinien. In diesen werden umfassende Ziele formuliert, die die Grundlage bilden für einzelne konkrete Umsetzungen. «Ausserdem sollen sie dazu beitragen, die Beteiligten für ökologische Fragestellungen zu sensibilisieren», so Strassmann.

Ein weiteres Element des Managementsystems ist die Erhebung sämtlicher Energiedaten. In diesem Zusammenhang zeigte sich beispielsweise, dass die Stromproduktion der hauseigenen Photovoltaik-Anlage den Bedarf im Gebäude nur etwa zu einem Drittel decken kann. Neben Strom, Gas und Wasser wurde auch der Wertstoff «Papier» genauer unter die Lupe genommen. «Wir wollen dazu anregen, Papier einzusparen. Nicht jede Traktandenliste oder jedes Protokoll muss unbedingt ausgedruckt werden. Ausserdem soll künftig Papier aus umweltgerechter Produktion verwendet werden», informiert Bruno Strassmann. Diese Anstösse aus dem Umweltmanagementsystem brachten auch die Verwaltungskommission von forumKirche dazu umzudenken: Das Magazin wird ab 2018 auf Umweltpapier erscheinen.

Multiplikatoren

Die Ergebnisse aller Erhebungen und ihre Auswertungen flossen in einen umfassenden Umweltbericht ein. Eines der wichtigsten Anliegen ist für Bruno Strassmann die Schulung von Mitarbeitenden: «Unsere Mitarbeitenden tragen die neuen Ideen und Haltungen in ihr persönliches Umfeld, in Pfarreien, Verbände oder Veranstaltungen hinein und geben sie damit an andere weiter.» Darüber hinaus sind konkrete Massnahmen geplant, wie z. B. die feinere Einstellung des Lüftungssystems, von der sich das Umweltteam weitere Stromeinsparungen erhofft, oder die Umstellung auf Briefumschläge aus Recyclingpapier. Bei eigenen Veranstaltungen möchte man künftig mehr auf den Einkauf achten und dabei mehr auf regionale, Bio- und Fairtrade-Produkte setzen.

Am Ende ein Fest

Nach einem internen Audit (Untersuchung) folgt Anfang Oktober eine externe Prüfung. Ein aus Deutschland kommender Gutachter wird den Umweltbericht und andere Dokumentationen in Augenschein nehmen und sie auf ihre Stimmigkeit und Zielführung vor Ort hin untersuchen. Danach steht der Verleihung des Zertifikats Grüner Güggel nichts mehr im Wege. Diese findet am 29. Oktober im Rahmen eines Erntedank-Gottesdienstes in der katholischen Kirche Weinfelden statt, wozu Interessierte herzlich eingeladen sind.

Damit ist der Prozess «Kirchliches Umweltmanagement», das der internationalen Norm DIN EN ISO 14001 ff entspricht, aber bei den beteiligten Einrichtungen keineswegs abgeschlossen: «Das Zertifikat gilt für vier Jahre. In dieser Zeit versuchen wir die selbstgesteckten Ziele umzusetzen», erklärt Bruno Strassmann. Danach findet in einem vereinfachten Prozess, in dem weiterreichende Ziele vereinbart werden, eine Rezertifizierung statt.

Detlef Kissner

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■ Nähere Infos: www.oeku.ch/de/gruener_gueggel.php

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Das Umweltteam, Bruno Strassmann (l.), Rita Zürcher, Urs Brosi, Daniel Scherrer, bei der Fotovoltaik-Anlage des Zentrum Franziskus

Bild: Detlef Kissner
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