Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 15

Stolz, wenn es klappt

Gruppen spielerisch weiterentwickeln

Mit Reden lassen sich in Gruppen gute Ergebnisse erzielen. Wenn Menschen sich aber auf ein gruppendynamisches Spiel einlassen, können sie darüber hinaus Wertvolles über sich selber und ihr Zusammenwirken untereinander erfahren. Welche Spiele es gibt, wie man sie anleitet und einsetzt, kann man nun in einem Workshop lernen.

Vor allem die «Kleinen» sind Meister des Spiels – und das gilt sogar bei manchen Tieren. Es hilft ihnen, ihre Welt zu entdecken, Fähigkeiten zu erlernen und soziale Kompetenzen zu erwerben. Spielen kommt ganz von selbst, macht Spass, lässt einen im Hier und Jetzt versinken. Und dies gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, auch wenn diese sich viel seltener Zeit zum Spielen nehmen. Im Spiel können sie in eine andere Realität eintauchen und andere Rollen übernehmen. Das fördert ihre geistige Beweglichkeit und Kreativität, schafft einen Ausgleich zu ihrem Alltag. Vielleicht sind es diese Erfahrungen, die Friedrich Schiller zu seiner Aussage bewogen haben: «Der Mensch ist nur Mensch, wo er spielt.»

Auch Murielle Egloff, Mitarbeiterin der Fachstelle Kinder und Jugend der Landeskirche Thurgau und eine der Leiterinnen des Workshops, weiss um die Bedeutung des Spielens für Erwachsene: «Es vermittelt einfach Freude und Gelassenheit. Und man lernt etwas dabei.»

«Tower of Power»

Eine eigene Ausrichtung haben sogenannte gruppendynamische Spiele: Sie stellen eine Gruppe vor eine Aufgabe, die die Mitglieder gemeinsam lösen sollen. Im Spielverlauf zeigen sich dann typische Dynamiken: das Aushandeln der Vorgehensweise, die Klärung der Leitung, unterschiedliche Rollen wie Mitläufer oder destruktive Spieler. Je nach Gruppe verlaufen diese Dynamiken anders. Eine Nachbesprechung des Spiels ermöglicht den Mitgliedern, sich dieser Vorgänge bewusst zu werden und die Erkenntnisse auch bei der künftigen Zusammenarbeit zu beachten.

Bei dem Spiel «Tower of Power» beispielsweise müssen die Teilnehmenden im Kreis stehend mit Hilfe von Seilen eingekerbte Holzklötze aufeinanderstapeln. «Das funktioniert nicht, wenn nicht alle konzentriert mitmachen», weiss Murielle Egloff aus Erfahrung. Man könne das Spiel auch noch verschärfen, indem man die Zahl derer, die reden dürfen, begrenzt oder manchen eine Augenbinde anlegt.

Kommunikation verbessern

Die Jugendarbeiterin hat im Zusammenhang mit solchen Spielen schon viel erlebt: «Es gibt die, die gleich sagen: ‹Das schaffen wir nicht›, manchmal gibt es Wutausbrüche, aber am Ende sind die Teilnehmenden auch stolz, wenn sie merken, dass es klappt.» Unerlässlich ist für sie die Auswertung im Anschluss an das Spiel. In diesem Gespräch können die Gruppenmitglieder erkennen, dass es jemand braucht, der das Kommando übernimmt, oder welche Rolle sie im Spiel eingenommen haben. «Es kann sein, dass ein eher ruhiger Mitspieler auf diese Weise eine neue Position in der Gruppe bekommt», so Egloff. Sie mache die Erfahrung, dass durch gruppendynamische Spiele Menschen lernen, besser zuzuhören und klarer ihre Bedürfnisse ausdrücken. Sie würden dem Einzelnen auch helfen, bei sich neue Fähigkeiten zu entdecken oder wieder mehr auf Teamarbeit zu vertrauen.

Murielle Egloff setzt gruppendynamische Spiele ein, wenn sich eine Gruppe neu bildet, zur Verbesserung der Kooperation in einer bestehenden Gruppe, zur Vertiefung eines Themas oder zur Auflockerung.

Erfahrung sammeln

Der Workshop, der von den Fachstellen Kinder und Jugend und Katechese angeboten wird, bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, an zwei grossen Spielen teilzunehmen und dabei eigene Erfahrungen damit zu sammeln, z. B. was solche Spiele auslösen oder wo auch Schwierigkeiten auftreten können. Gleichzeitig erleben sie, wie solche Übungen kompetent angeleitet werden. Danach können sie an verschiedenen Posten weitere Spiele kennenlernen, indem sie sie in kleinen Gruppen anspielen und sich über den Charakter und die Funktion des Spiels austauschen. Eine Gesamtübersicht mit praktischen Tipps soll helfen, das Gelernte in der Praxis gezielt einzusetzen. Der Workshop eignet sich sowohl für «Insider» als auch für «Neulinge» in dieser Materie. «Er ist interessant für alle, die mit Gruppen zu tun haben, beispielsweise auch für Frauengemeinschaften, Kirchenchöre, Pfarreiräte oder Kirchenvorsteherschaften», sagt Murielle Egloff.

Detlef Kissner

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■ Nähere Infos zum Workshop unter «Kurse/Tagungen».

Übersicht über gruppendynamische Spiele:
www.kath-tg.ch/fachstellen/kiju/startseite.html unter «Services»

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Bei PerspAktive muss man als Gruppe eine Kugel durch einen Schlauch lenken.

Bild: zVg
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