Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Ausgabe Nr. 15

Ein Mann der Mitte

Jesuit wird neuer Präfekt der Glaubenskongregation

Papst Franziskus hat den bisherigen Sekretär der Glaubenskongregation, Luis Francisco Ladaria Ferrer (73), an die Spitze der Behörde berufen. Der Jesuit gilt als gemässigt konservativ und nennt sich selbst einen «Mann der Mitte». Ladaria leitet die Kommission zum Frauendiakonat.

Die Ernennung Ladarias kam nicht völlig überraschend. Beobachter handelten ihn als einen der Favoriten für die Nachfolge Müllers (siehe Anmerkung). Spekuliert worden war aber auch, dass der Papst möglicherweise einen seiner theologischen Vordenker an die Spitze der Glaubenskongregation holen könnte. Genannt wurden sein Ghostwriter, Erzbischof Victor Manuel Fernandez, Rektor der katholischen Universität in Buenos Aires, und der italienische Bischof Bruno Forte.

Ladaria hingegen ist bislang nicht als ausgesprochener Franziskus-Mann in Erscheinung getreten. Er ist jedoch wie Franziskus Jesuit und spricht dessen Muttersprache. Der auf Mallorca geborene Geistliche gilt als gemässigt konservativ. Er selbst sieht sich als Mann der Mitte. In einem Interview sagte er 2008, er liebe keine Extreme – weder progressiver noch traditionalistischer Art. «Ich glaube, dass es da einen Mittelweg gibt, nämlich den, den der Grossteil der Theologieprofessoren hier in Rom und die Kirche allgemein eingeschlagen haben.»

Von frühen Kirchenvätern geprägt

In der Öffentlichkeit trat Ladaria selten auf, Interviews gab er – im Gegensatz zu seinem bisherigen Vorgesetzten – kaum. Wie Müller lehrte er als Professor das Fach Dogmatik, seit 1984 an der renommiertesten Päpstlichen Hochschule in Rom, der von Jesuiten geleiteten Universität Gregoriana.

Ladarias theologischer Blickwinkel ist jedoch stärker von den Kirchenvätern und der frühen Kirche geprägt, mit der er sich intensiv beschäftigte. Seine Denkart ist daher von Hause aus historischer und mehr der akribischen Textauslegung verpflichtet. Müller galt hingegen als streng systematisch ausgerichteter theologischer Denker. Seine Doktorarbeit verfasste Ladaria über Hilarius von Poitiers, einen französischen Bischof und Kirchenlehrer aus dem 4. Jahrhundert. Der gut Deutsch sprechende Spanier studierte unter anderem in Frankfurt an der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen.

Kontinuität gewährleistet

Der neue Leiter der Glaubenskongregation steht für Kontinuität. Wie Müller war Ladaria von Benedikt XVI. an die Glaubenskongregation geholt worden. Er kennt das Innenleben der Behörde wie kaum ein anderer. Das dürfte ihm jetzt helfen, einen möglichst reibungslosen Übergang zu organisieren. Denn nicht jeder Mitarbeiter dürfte über die Entscheidung des Papstes glücklich sein.

Kommission zum Frauendiakonat

Bereits 1992 war Ladaria von Johannes Paul II. als Mitglied in die Internationale Theologenkommission berufen worden, ein Beratergremium der Glaubenskongregation, von 2004 bis 2008 war er deren Generalsekretär.

Mit dem Namen Ladaria ist auch ein Projekt verbunden, auf dem unter Katholiken im deutschsprachigen Raum grosse Hoffnungen ruhen: Er leitet die von Franziskus 2016 eingerichtete Kommission zum Frauendiakonat. Das Gremium soll die Rolle von Diakoninnen in der frühen Kirche erforschen. Das Ergebnis dürfte grossen Einfluss darauf haben, ob Franziskus für Frauen einen Weg zum Diakonat öffnet.

Thomas Jansen/Red.

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Keine Verlängerung Am 30. Juni erfuhr die deutsche Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), dass sich Papst Franziskus überraschend von einem seiner ranghöchsten Mitarbeiter getrennt hat, indem er die Amtszeit von Kardinal Gerhard Ludwig Müller (69) als Leiter der römischen Glaubenskongregation nicht verlängerte. Sie endete nach fünf Jahren fristgerecht am 2. Juli. Über die Gründe für die Entscheidung von Papst Franziskus wurde nichts bekannt. Nach Informationen der Jesuiten-Zeitschrift «America» sollen mehrere Kardinäle Franziskus um eine Entlassung des deutschen Kardinals gebeten haben, weil er sich wiederholt öffentlich von päpstlichen Positionen distanziert habe. Offensichtlich wurden gegensätzliche Auffassungen zwischen den beiden bei der Interpretation des päpstlichen Schreibens «Amoris laeitita» vom April 2015. Müller vertrat öffentlich die Auffassung, dass auch nach diesem Dokument der Kommunionempfang für geschiedene, wiederverheiratete Katholiken nur dann möglich sei, wenn sie in der neuen Verbindung sexuell enthaltsam lebten. Der Papst hiess hingegen Interpretationen gut, die einen Kommunionempfang auch ohne eine solche Lebensweise in Einzelfällen gestatteten.

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Der neue Präfekt der Glaubenskongregation: Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer

Bild: KNA-Bild
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