Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 10

Enttäuschung und Bedauern

Reaktionen auf die Amtsverlängerung im Bistum Chur

Die Entscheidung, Vitus Huonder noch zwei Jahre im Amt zu lassen, enttäuscht Katholiken, die sich für Reformen in der Kirche einsetzen. Unverständlich bleiben für viele die Gründe, weshalb der Papst so entschieden hat.

Am schnellsten und am heftigsten reagiert die Pfarrei-Initiative: «Die Nachricht, Huonder bleibt noch zwei Jahre, hat uns schockiert», teilt deren Sprecher Willi Anderau in einem Communiqué (4. Mai) mit. Enttäuschung auch auf Seiten der Allianz «Es reicht!», die sich mit einer Petition für einen Administrator als Nachfolger von Vitus Huonder eingesetzt hat: «Wir sind sehr enttäuscht, dass der Papst diesen Weg einschlägt und die Option eines Administrators nicht auswählt», sagt Simone Curau-Aepli, welche den Schweizerischen Katholischen Frauenbund in der Allianz vertritt, gegenüber kath.ch. Das sei ein klares Signal dafür, dass es zu einer ordentlichen Bischofswahl kommen werde. «Papst Franziskus ist sich offenbar nicht bewusst, was im Bistum Chur vor sich geht.»

Entgegen Ankündigung des Nuntius

Enttäuschung auch bei der katholischen Kirche im Kanton Zürich: «Überraschend und vielleicht enttäuschend ist die lange Dauer», sagt Synodalratspräsident Benno Schnüriger gegenüber Schweizer Radio SRF. «Die progressiveren Kreise hätten sich eine schnellere Ablösung gewünscht.» Gemäss Simon Spengler, Kommunikationsbeauftragter der katholischen Kirche im Kanton Zürich, ist nicht nur der Synodalrat, sondern auch Generalvikar Josef Annen überrascht. Zumal der päpstliche Nuntius Thomas E. Gullickson angekündigt habe, der neue Bischof könne im Laufe des Jahres 2018 gewählt werden.

Warum?

Über die Gründe für die Entscheidung des Papstes kann nur spekuliert werden, und diese Spekulationen fallen unterschiedlich aus: Gemäss Willi Anderau von der Pfarrei- Initiative liegt Vitus Huonder mit seiner Begründung, die Verlängerung sei ein Vertrauensbeweis, «völlig falsch». Er geht stattdessen davon aus, dass der Papst sich bewusst sei, dass die Nachfolgeregelung im Bistum Chur eine heikle Sache sei. «Mit den Vorschlägen, die zurzeit vorliegen (inklusive jenen von Nuntius Gullickson) konnte man sich nicht anfreunden», ebenso wenig mit dem Vorschlag, einen Administrator einzusetzen. «Also spielt man den Ball zurück. Schaut selber, dass ihr in eurem Bistum in diesen zwei Jahren zu vernünftigen Lösungen kommt!», mutmasst Anderau.

Auch Nuntius kennt Gründe nicht

Auch Schnüriger nennt die Möglichkeit, «dass der Papst sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen will», als möglichen Grund. «Vielleicht will sich der Papst jetzt mehr Zeit nehmen, um genau die Person zu finden, die die Grabenkämpfe im Bistum Chur überwinden könnte», sagte er gegenüber SRF. Offenbar kennt nicht einmal Nuntius Thomas E. Gullickson die Gründe des Papstes: «Roma locuta, causa finita… (Rom hat gesprochen, damit ist die Sache entschieden.) Ich kenne die Begründung selbst nicht», so Gullickson in einer Twitter-Direktnachricht an kath.ch.

Ein einziger Satz von der Bischofskonferenz

Wie geht es nun weiter? «Wir erwarten und hoffen, dass die an der Wahl beteiligten Instanzen die Zeit bis Ostern 2019 gut nutzen, um einen geeigneten Nachfolger für den Churer Bischofssitz zu finden», sagt Spengler im Namen der katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Auch die Allianz «Es reicht!», will «dran bleiben», und zwar mit einem konkreten Vorgehen: «Als nächsten Schritt werden wir die anderen Bischöfe kontaktieren. Sie sollen dem Nuntius Kandidaten melden, die fähig und willens sind, im Bistum Chur bestehende Gräben aufzufüllen und neue Brücken zu bauen», sagte Curau-Aepli gegenüber kath.ch. Die Schweizer Bischofskonferenz kommentiert das Geschehen ausserordentlich rasch und noch dürftiger als üblich. Nämlich mit einem einzigen Satz: «Wir haben die Entscheidung erfahren und natürlich respektieren wir sie.»

Sylvia Stam

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Reaktion von Bischof Huonder

«Der Vertrauensbeweis seitens des Papstes hat mich gerührt und mit grosser Dankbarkeit erfüllt», schreibt Bischof Vitus Huonder in einem Brief an seine Mitarbeitenden. Der Papst setze mit seiner Entscheidung auf Kontinuität. Dies ermögliche ihm, «noch nicht abgeschlossene Arbeiten weiterzuführen.» Was genau diese noch offenen Arbeiten sind, müsse er noch mit dem Bischofsrat besprechen, sagte Huonder in einem Interview mit der Luzerner Zeitung (LZ, 4. Mai). «Ich denke etwa an die Umsetzung der Beschlüsse der Familiensynode.» Voraussichtlich werde das Bistum Chur noch vor der Sommerpause diese Schwerpunkte öffentlich bekanntgeben.

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Bischof Huonder wird auf Wunsch von Papst Franziskus noch zwei Jahre im Amt bleiben.

Bild: Christoph Wider
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