Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
forumKirche
Ausgabe Nr. 10

Editorial

In der Pfarrei, in der ich gross geworden bin, wurde am Karfreitag die Johannespassion in feierlicher Weise gesungen. Ich freute mich auf diesen Teil der Liturgie. Die Musik liess mich die Angst Jesu spüren und den Hochmut der Hohenpriester. Das Entsetzen Petrus nach dem Hahnenschrei machte mich betroffen. Ich tauchte ganz ein in die Welt und das Geschehen von damals. Kein Vergleich dazu eine Karfreitagsliturgie, in der die Passion «nur» vorgelesen wird. Auf dem Hintergrund meiner früheren Erfahrungen kommt sie mir reduziert vor, ein Zugang, der mir das Leiden Jesu viel «blasser» vermittelt. Musik erreicht unser Innerstes, Gesang ist Ausdruck des Glaubens und nährt ihn. Mit Sicherheit könnten viele von Ihnen von ähnlichen Erfahrungen erzählen.

Die Bedeutung von Chören in unserer Kirche erschöpft sich allerdings nicht darin, dass sie die Liturgie bereichern und unseren Glauben lebendig werden lassen. Dort, wo ein Chor aufhört, entsteht in einer Pfarrei eine Lücke, fehlt eine Keimzelle der Gemeinschaft, eine Gruppe, die etwas Wertvolles miteinander auf die Füsse stellt und andere damit beschenkt. Es geht dann ein Stück Heimat verloren. Und dort, wo ein Chor, ein Chorprojekt, eine Jugendband oder eine andere Musikgruppe neu beginnt, überträgt sich der Elan und die Begeisterung, die von diesem Neuanfang ausgeht, auch auf die Gemeinde. Eine solche Gruppe musizierender Menschen ist zudem eine Brücke für Suchende. Denn diese verirren sich kaum in unseren Kirchen, um einen Gottesdienst mitzufeiern. Über die Musik aber finden sie einen attraktiven Zugang zum Glauben. Das gilt sowohl für Sängerinnen und Sänger als auch für Zuhörende.

Gelungene Beispiele zeigen, dass solche Aufbrüche auch heute noch möglich sind. Es braucht dazu kreative Ideen, mutige Initiativen und Musikbegeisterte, die ihre kleinen und grossen Talente einbringen. Und es braucht die anderen, die mit Freude zuhören, applaudieren und begeistert anderen davon erzählen. Egal zu welcher Gruppe Sie gehören, tragen zu dazu bei, dass unser Glauben weiterhin zum Klingen gebracht wird.

Detlef Kissner

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