Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 8

Warum machen die Menschen die Welt kaputt?

Kinder fragen...

Die 4b-Klasse der Volksschule Hasenfeld in Lustenau, Vorarlberg, hat bereits Erfahrung im Philosophieren. Seit November letzten Jahres setzen sie sich regelmässig im Kreis zusammen, um gemeinsam über ihre Fragen nachzudenken. Heute haben sich die 19 Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren für Amelys Frage entschieden:

Warum machen die Menschen die Welt kaputt?

Ich eröffne das Gespräch, indem ich darauf hinweise, dass sich in dieser Frage eine Annahme versteckt. Die Kinder stellen jedoch klar, dass die Aussage «Die Menschen machen die Welt kaputt» stimme und somit keine Annahme, sondern eine Tatsache sei. Dies belegen sie mit einigen Beispielen:

«Die Abgase der Menschen verschmutzen die Umwelt.»
«Die Menschen wollen die Erde für sich selbst haben und fällen Bäume.»

Darauf eingehend meint ein Junge, die Menschen machen Krieg und zerstören dabei viele Bäume. Erst durch erstauntes Nachfragen ergänzt er: «Und Menschen.» Auch die zweite Aussage wird genauer beleuchtet: «Die Länder mit dem meisten Geld wollen die Erde für sich haben.» «Wie zum Beispiel Donald Trump, er will die ganzen USA für sich allein haben und baut Türme mit seinem Namen drauf.»

Ein Junge erzählt von einer Frau, die zwei Jahre in einem Mammutbaum gelebt hat, um zu verhindern, dass der Wald abgeholzt wird. Schlussendlich musste sie wegziehen. Der Grund waren Überraschungseier, erklärt der Schüler, der dies von seiner Mutter wusste. Gemeint war eine Kakaoplantage, die nach der Rodung angepflanzt wurde.

Auch vom Palmöl haben die Kinder schon gehört, für das Regenwald abgeholzt wird und das sich in vielen Produkten befindet, leider auch in Nutella. Es drängt sich die Erkenntnis auf, dass, obwohl wir es nicht wollen, auch wir die Welt kaputt machen, indem wir diese Produkte essen.

Plötzlich kommt den Kindern der Biber in den Sinn. Der fällt auch Bäume und zwar viele in kürzester Zeit, wie sie selbst an einer Wasserstelle in der Nähe beobachten können. Dennoch, der Biber macht die Welt nicht kaputt. «Warum?», frage ich nach. «Weil er die Bäume für seine Kinder braucht und wir für Geld.» Ich will es genauer wissen: «Ihr seid doch auch Kinder, eure Eltern brauchen doch für euch Geld?» – «Ja, aber nicht so viel.» – «Menschen kaufen unnütze Dinge, wie zum Beispiel Alkohol», «…oder Zigaretten», «…oder Playstation», ergänzen die Kinder.

An dieser Stelle war die Schulstunde beinahe zu Ende, etwas war einem Kind jedoch noch wichtig: «Jeder Mensch will angeben, deswegen kauft er Dinge, die er nicht braucht.»

Maria Rüdisser, Kinderphilosophin

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Zeichnung:
Furkan, 11 Jahre
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