Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 8

Editorial

Es fällt mir dieses Jahr schwer, mich auf Ostern zu freuen. Das Halleluja findet irgendwie keinen Zugang zu meinem Herzen. Schuld daran sind die Meldungen, die mich in diesen Tagen erreichen: von unschuldigen Terroropfern in der U-Bahn von St. Petersburg, von Menschen, die bei einem Giftgasangriff in Syrien auf schreckliche Weise ihr Leben lassen müssen – darunter sogar Kinder und Frauen, von Millionen von Menschen, denen in Zentralafrika der Hungertod droht.

Beim Lesen des Osterevangeliums bleibe ich an einem Satz hängen. «Fürchtet euch nicht!», sagt der Engel zu den beiden Frauen, die nicht verstehen, was ihnen gerade geschieht (Mt 28,1-7). Ich muss an all die Fragen denken, an denen sich Politiker und Verantwortliche auf der ganzen Welt schon lange Zeit die Zähne ausbeissen: Wie kann erreicht werden, dass möglichst viele Menschen zu essen und zu trinken haben? Wie können Kriege beendet und verhindert werden? Was muss getan werden, um den Klimawandel zu stoppen? «Fürchtet euch nicht!» – Es kommen mir die Ergebnisse einer neuen Studie in den Sinn, für die rund eine Million junge Menschen in Europa befragt wurden: 82 Prozent (!) der «Generation what» hat kein Vertrauen mehr in die Politik, was wohl damit zusammenhängt, dass sie eine wachsende soziale Ungerechtigkeit wahrnimmt. Dennoch sind 55 Prozent aller Befragten gegenüber der Zukunft eher optimistisch gestimmt. Die überwiegende Mehrheit – in der Schweiz 85 Prozent – gibt an, auch ohne Glauben an Gott glücklich werden zu können. Wo steuert unsere Welt hin?

«Fürchtet euch nicht!» Das ruft der Engel auch uns zu, die wir versuchen, unseren Beitrag zum Fortbestand und Gelingen dieser Welt zu leisten. Er möchte uns Mut machen, dabei auf eine Kraft zu vertrauen, die grösser ist als alle Dekrete, Aktienfonds oder Waffen. Eine sanfte Kraft, die unscheinbar daherkommt, die sich aber unaufhaltsam entfaltet. Der Engel möchte uns die Augen dafür öffnen, dass einer der grössten Liebenden durch Verschwörung und Gewalt hindurch zum Leben gefunden hat. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein frohes Osterfest!

Detlef Kissner

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