Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 6

Eine eindrückliche Stimmung

Arbeitseinsatz in einer Kirche

Die Pfarrei St. Stefan in Emmishofen erhielt diese Tage tatkräftige Unterstützung von einer Gruppe des Dienstleistungszentrums (DLZ) Arbeitsintegration der Stadt Kreuzlingen. Für die Frauen und Männer, die unter anderem den Estrich der Kirche säuberten, war es ein besonderer Einsatz an einem aussergewöhnlichen Ort.

Nach einem kurzen, aber steilen Anstieg erreichen wir einen düsteren Raum, der nur von wenigen Scheinwerfern erhellt wird. Wir befinden uns auf dem Dachboden der Kirche St. Stefan, direkt über der Decke des Kirchenschiffes. Staub liegt in der Luft. Es herrscht geschäftiges Treiben. Drei Frauen und drei Männer sind damit beschäftigt, Taubenmist zu beseitigen, den staubbedeckten Bretterboden zu saugen und Gitter gegen unwillkommene Eindringlinge an die runden Fenster anzubringen. Zuvor hatte die kleine Truppe des DLZ Arbeitsintegration den Dachboden entrümpelt – alte Lederauflagen für Kniebänke, Plastikblumen und andere vergessen Gegenstände nach unten getragen und entsorgt. Auch bei der Pflege der Grünanlagen rund um die Kirche – Unkraut jäten, Büsche schneiden, Bäume stutzen und den Grünschnitt abführen – hatten sie dem Hauswart kräftig unter die Arme gegriffen.

Tagesstruktur und Kontakte

«Diese Arbeiten standen schon länger an. Da benötigten wir kurz mal Manpower», kommentiert Simon Tobler, Kirchenpfleger der Kirchgemeinde Kreuzlingen Emmishofen, den Einsatz. Zu Jahresbeginn hatte er über einen Freund erfahren, dass man für solche Einsätze das DLZ Arbeitsintegration der Stadt Kreuzlingen anfragen könne. «Wir sind froh über einen solchen Auftraggeber», erklärt Stefan Luginbühl, der Leiter DLZ Arbeitsintegration, im Blick auf die Kirchgemeinde, «und froh über sinnvolle Aufgaben, vor allem in den Wintermonaten.» Heute hat er Arbeitskleidung und einen Atemschutz angelegt und hilft selbst mit. Das DLZ betreut zwei Gruppen, von denen die eine eher im hauswirtschaftlichen, die andere eher im handwerklichen Bereich eingesetzt wird. In beiden Gruppen arbeiten Menschen, die Sozialhilfe empfangen – Junge, die keine Lehrstelle bekamen, Menschen, die ihre Arbeit verloren haben oder sich aufgrund einer Erkrankung schwer tun, längere Zeit eine Arbeit auszuüben. «Oberstes Ziel der Massnahme ist es, sie wieder dem ersten Arbeitsmarkt zuzuführen», sagt der Sozialpädagoge. Darüberhinaus sei die Arbeitsintegration für die Beteiligten wertvoll, weil sie ihnen eine Tagesstruktur zurückgebe, sie in Kontakt bringe, ihnen Erfolgserlebnisse und Wertschätzung ermögliche.

Glocken ganz nah

Marco K.* war selbstständig und hat seinen Handwerkbetrieb aufgegeben, weil er damit zu wenig verdiente. Nun sucht er bereits seit einem Jahr nach einer Anstellung. Er ist froh, dass er durch das DLZ Arbeitsintegration eine Aufgabe hat. Der Einsatz in der Kirche ist für ihn «einmal etwas anderes». Man komme so in Ecken, die man sonst nicht sehe. Das letzte Mal sei er vor sechs Jahren bei der Hochzeit seines Bruders in einer Kirche gewesen.

Yvonne S.* betont, dass sie gern mit Männern zusammenarbeitet. Mit anderen Frauen zusammenzuarbeiten, erlebe sie als anstrengend. Sie erhofft sich, dass sie durch die Arbeitsintegration auch mit ihrer leichten Sprachbehinderung wieder einen Arbeitsplatz findet. Die Aufgabe von

Sandra L.* war es, den Aufgang des Turms zu saugen. Sie schwärmt noch davon, dass der Hauswart ihr den Zugang zu den Glocken ermöglichte und sie sich deren Klang von Nahem anhören konnte.

Einfach nur staunen

Nico Brönimann, der Leiter der Gruppe, stellt den Staubsauger in die Ecke. Er habe eigentlich kaum Bezug zur Kirche, beginnt er das Gespräch. Dennoch spreche ihn der leere Kirchenraum an. «Es hat hier eine eindrückliche Stimmung, so eine Ruhe…», umschreibt er seine Wahrnehmung. Morgens hatte er zusammen mit den anderen mitgeholfen, Kreuze für die Fastenzeit mit Tüchern zu umhüllen. Beim Betrachten der Steinfiguren aus der Nähe sei ihm aufgefallen, wie detailreich und liebevoll sie gestaltet seien. «Ich konnte einfach nur staunen», so der junge Sozialarbeiter. Der Einsatz neigt sich dem Ende zu. Hauswart Johann Länzlinger ist froh, dass viele der drängenden Arbeiten endlich erledigt sind, vor allem dass nun Gitter vor den Fenstern angebracht sind. Vielleicht greift ihm die Gruppe des DLZ Arbeitsintegration ja wieder einmal unter die Arme.

Detlef Kissner

* Namen wurden geändert

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Zwei Mitarbeitende befestigen ein Gitter am Dachfenster der Kirche.

Bild: Detlef Kissner
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