Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Ausgabe Nr. 6

Papst als Hoffnungsträger

Ein junger Staat in grosser Not

Während die Weltöffentlichkeit nach Syrien blickt, spielt sich im Südsudan fast unbemerkt eine humanitäre Katastrophe ab.

Aktuelle Bilder aus dem Südsudan zeugen von Krieg, Verfolgung und Hunger. Wie verschiedene Medien berichten, sind bereits hunderttausend Südsudanesen vom Hungertod bedroht. Fünf Millionen Menschen sollen aktuell auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein. Das ist fast die Hälfte der Landesbevölkerung. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden vertrieben oder leben bereits seit Jahren in Flüchtlingslagern im benachbarten Kenia oder Uganda. Doch die Krise ist – zumindest teilweise – hausgemacht.

Schwerer Start

Nach einem Referendum spaltete sich der Südsudan 2011 vom Sudan ab. Ein Ziel, für das der mehrheitliche christliche Süden fast 30 Jahre gekämpft hatte und für das sich nicht zuletzt auch die USA unter Barak Obama eingesetzt hatten. Doch die Bedingungen für den jungen Staat waren von Anfang an nicht ideal. Das Land – obwohl reich an Rohstoffen – war kriegsversehrt und verfügte über keine funktionierende Infrastruktur. Über zwei Drittel der Einwohner waren Analphabeten. Viele waren im Krieg geboren und aufgewachsen. Dazu kamen Spannungen mit dem nördlichen Nachbarn Sudan, bei denen es hauptsächlich um die Ölreserven im Südsudan geht. Da die Ölpipeline im Sudan liegt, wären die beiden Staaten zur Wertschöpfung auf eine Zusammenarbeit angewiesen. Doch auch innenpolitisch ist der Südsudan gespalten: Zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Vize Riek Machar kam es zum Konflikt. Kiir gehört dem Stamm der Dinka an, der grössten Ethnie im Südsudan. Riek Machar dagegen ist Nuer. Er lebt seit Anfang Jahr im Exil in Südafrika, von wo aus er offenbar weiterhin die Rebellen organisiert. Beiden wird ethnische Diskriminierung oder gar Säuberung vorgeworfen.

Korruption

Karin Ayok-Loewenberg kennt die Verhältnisse im Südsudan. Die Schweizerin ist mit Joseph Ayok, einem anglikanischen Pfarrer und hochrangigen Diplomaten der südsudanesischen Regierung verheiratet. Sie lebt in England, besucht das Land aber regelmässig. «Man kann den Bürgerkrieg im Südsudan nicht auf einen Stammeskonflikt reduzieren», relativiert sie. Sie sieht noch andere Gründe für die aktuellen Missstände: «Es gibt zu viele Kräfte, die ein Interesse daran haben, dass der Südsudan instabil ist.» Instabilität ermögliche es ausländischen Regierungen und Konzernen, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und das Land im grossen Stil auszubeuten. «Es gab auch seriöse Investoren, die geholfen hätten, das Land aufgrund seiner Schätze aufzubauen», weiss Karin Ayok-Loewenberg. Doch viele hätten sich wegen der politischen Lage wieder zurückgezogen. Denn sowohl Kiir als auch Machar wird Korruption vorgeworfen. Es ist die Rede von persönlicher Bereicherung, Geldwäscherei und Waffenhandel auf Kosten der Bevölkerung.

Teure Lebensmittel

Auch die die UNO-Blauhelme können die Lage nicht unter Kontrolle bringen. «Die Blauhelme sind kontraproduktiv», sagt Frau Ayok. Sie beteiligten sich am Menschenhandel und an anderen illegalen Geschäften. Das ist kein neues Phänomen. Schon 2014 berichtete die «Welt online», dass China «leicht bewaffnete» Blauhelme nach Südsudan entsende. Zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen, wie die «Welt» vermutete. Es erstaunt also nicht, dass auch eine Aufstockung der Blauhelme um einen Drittel auf 17‘500 bisher die Situation nicht verbessern.

Dort, wo Kriegshandlungen stattfinden, sind die Menschen am meisten von der Not betroffen. Ganze Dörfer werden zerstört. Deshalb können die Menschen weder anpflanzen, noch ernten. Verschärft wird die Not durch Inflation und hohe Preise. Darunter leiden auch Hilfswerke.

Karin Ayok-Loewenberg hat 2005 gemeinsam mit ihrem Mann das Hilfswerk «Schulen unter Bäumen» gegründet, das im Norden des Landes eine Mädchenschule betreibt. Sie sagt: «Im Moment geben wir am meisten Geld für Nahrungsmittel aus. Es ist wichtig, dass die über 400 Schülerinnen, die mehrere Kilometer Schulweg haben, wenigstens einmal am Tag eine nahrhafte Mahlzeit erhalten.»

Versöhnungsarbeit

Als «hoffnungsvoll» bezeichnet Frau Ayok-Loewenberg die Rolle der Kirchen. Die verschiedenen Denominationen würden gut zusammenarbeiten. Es geschehe viel Versöhnungsarbeit. Zudem feierten Christen ökumenische Gottesdienste auch über alle Stammesgrenzen hinweg. So erging die kürzlich erfolgte Einladung an Papst Franziskus von den Bischöfen der katholischen, anglikanischen und presbyterianischen Kirchen gemeinsam aus. Karin Ayok-Loewenberg ist überzeugt: «Ein Papstbesuch im Südsudan würde ein wichtiges Zeichen setzen und den Menschen Mut und Hoffnung geben.»

Sibylle Zambon-Akeret

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■ Information zum Hilfswerk Schulen unter Bäumen:
www.schulen-unter-baeumen.ch

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In den entlegenen Gegenden müssen die Bewohner schon in guten Zeiten um Nahrung kämpfen
(Südsudan 2016).

Bild: Georg Rettenbacher/TearFund Schweiz
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