Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 6

Editorial

Zugegeben, Bruder Klaus ist nicht gerade mein Lieblingsheiliger. Zu seinem streng asketischen und zurückgezogenen Leben habe ich noch keinen richtigen Zugang gefunden. Dennoch fasziniert es mich, mit welcher Geradlinigkeit und Kompromisslosigkeit er als 50-Jähriger seiner inneren Sehnsucht gefolgt ist, wie er seinem Leben eine andere Richtung gegeben hat, ohne darauf zu achten, was andere über ihn denken, ohne sich Sorgen über seine Zukunft zu machen.

Und dabei hatte seine Entscheidung einen hohen Preis (nicht nur für ihn): Er gab das Leben mit seiner Familie und Freunden auf, verzichtete auf eine aussichtsreiche politische Karriere, löste sich von Haus und Land, den Garanten materieller Sicherheit. Er liess alles zurück, was ihm bisher lieb und teuer war, ohne eine klare Vorstellung davon zu haben, wohin ihn sein Weg führt. Und es ging ihm wie vielen, die so planlos, aber mit viel Feuer im Herzen aufgebrochen sind: Sein Weg endete in einer Sackgasse. Durch eine Vision bei Liestal wurde ihm klar, dass er sein Glück nicht im Ausland findet, sondern dass er wieder zurück in seine Heimat muss. Dort fand er schliesslich, wonach er suchte. Was wäre wohl passiert, wenn er nicht aufgebrochen wäre, wenn er seinen vagen Traum als Spinnerei abgetan hätte, wenn er erst einmal alles gründlich durchdacht hätte? Wahrscheinlich wäre er als Familienvater, Ratsherr und Bauer in seinem Haus in Sachseln alt geworden.

Bruder Klaus ist für mich ein Patron des Aufbruchs. Seine Entscheidung macht uns Mut, gut auf unsere innere Stimme zu hören und ihr zu folgen, auch wenn wir keine Erfolgsgarantie in den Händen halten. Sie ist ein Signal für jede und jeden von uns. Denn Gott hat für jeden Menschen seinen je eigenen Weg vorgesehen. Und sie ist ein Signal für die beiden Kirchen, die am 1. April des 600. Geburtstags von Bruder Klaus und des Beginns der Reformation vor 500 Jahren gemeinsam gedenken. Sein Aufbruch ist Ansporn für alle Christen, die sicheren Bastionen zu verlassen, Neues zu versuchen, sich anzunähern und miteinander zu zeigen, wie sehr Gott seine Welt liebt.

Detlef Kissner

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