Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 4

Flexibler, moderner, entscheidungsfreudiger

Revisionsvorlage des Kirchenorganisationsgesetzes

Nach drei Jahren intensiver Arbeit legt die Kommission des Kirchenrats den Entwurf einer Revisionsvorlage vor. Neu soll das geltende Kirchenorganisationsgesetz KOG von 1968 durch eine Verfassung und zwei Gesetze abgelöst werden. Die Entwürfe inklusive eines erklärenden Berichts wurden kürzlich verschickt und laden die betroffenen Interessengruppen ein, dazu Stellung zu nehmen.

Ohne den ausführlichen Bericht wären die Unterschiede vom geltenden KOG zu den erarbeiteten Entwürfen der Kommission für Nichtinvolvierte kaum auffindbar. Gut 50 Jahre ist das aktuelle KOG nun in Kraft, Neuerungen oder Anpassungen sind laut Generalsekretär Urs Brosi mehr als angebracht. Ein augenscheinlicher Unterschied besteht darin, dass das bestehende Gesetz durch drei separate Rechtstexte ersetzt werden soll. Die neue Verfassung mit 33 Paragraphen würde die Grundzüge der Organisation von Landeskirche und Kirchgemeinden erhalten. Die Verfassung ist den beiden anderen Gesetzen wie auch übrigen Rechtserlassen übergeordnet. Soll die Verfassung erlassen oder geändert werden, muss nicht nur die Synode, sondern auch das katholische Stimmvolk wie auch der Grosse Rat darüber abstimmen.

Schneller entscheiden

Diese Aufteilung auf eine Verfassungs- und eine Gesetzesebene erlaubt es, dass bei Revisionsbedarf auf Gesetzesebene die Synode flexibler und schneller entscheiden kann. «Unsere Kirche ist immer schneller anstehenden Änderungen unterworfen», sagt Brosi, der sich kaum vorstellen kann, dass die neue Rechtsgrundlage auch fünf Jahrzehnte Gültigkeit haben wird. Die untere Gesetzesebene wird auf zwei Erlasse aufgeteilt: ein Gesetz für die kantonalkirchlichen Angelegenheiten (Landeskirchengesetz LKG) und eines für die kirchgemeindlichen Angelegenheiten (Kirchgemeindegesetz KGG). Eine Änderung z. B., die auf beiden Ebenen eingeführt werden soll, ist das Stimm- und Wahlrecht für Mitglieder ohne schweizerische Staatsangehörigkeit. Neu soll der Status der Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) ausschlaggebend für das kirchliche Stimm- und Wahlrecht sein. Eine Registrierung bei der Kirchgemeinde fällt weg.

Verkleinerung der Synode

Eine weitere Veränderung soll es bezüglich der Mitglieder der Synode geben: Neu soll diese fix 60 Mitglieder umfassen, egal, wie viele stimmberechtige Katholiken es gibt. «Gute und engagierte Leute zu finden wird immer schwieriger», sagt Brosi. Der Anteil der Seelsorgerinnen und Seelsorger soll künftig nicht mehr zwingend ein Drittel der Synodenmandate ausmachen. Vorgesehen sind neu zwei bis vier Seelsorgende pro Wahlkreis, somit kann sich der Anteil auf einen Sechstel verkleinern. Die Bezeichnung Kirchenvorsteherschaft soll durch Kirchgemeinderat ersetzt werden; damit wird dem Wunsch der Bischöfe nach klareren Bezeichnungen Rechnung getragen. Eine weitere Umbenennung betrifft den Kirchenpfleger: Künftig soll von Verwalter die Rede sein. Ausserdem soll der Verwalter nicht mehr vom Volk gewählt werden, sondern der Kirchgemeinderat kann eine natürliche oder juristische Person mit dieser Aufgabe betrauen. «Grund dafür ist der Umstand, dass es immer schwieriger wird, geeignete Personen für diese anspruchsvolle Tätigkeit zu finden», so Brosi.

Veränderte Pfarrwahl

Welche Reaktionen erwartet der Generalsekretär? In erster Linie wird eine Revision seitens der Kirchenvorsteherschaften sehr begrüsst, sagt Brosi. Etliche ihrer Anliegen werden damit umgesetzt. Zu Diskussionen führen könnte die Veränderung betreffend Pfarrwahl. Ein Knackpunkt dabei ist die Einführung der Pastoralräume mit dem Führungstyp B, wie er im Thurgau für zehn der zwölf Pastoralräume vorgesehen ist: Ein Pastoralraumpfarrer ist auch immer Pfarrer der einzelnen Pfarreien. Eine Nichtwahl in einer einzelnen Kirchgemeinde hätte zur Folge, dass die Leitungsperson für den ganzen Pastoralraum und alle Pfarreien funktionslos würde. Sinnvoll wäre es deshalb, wenn die Kirchgemeinden auf dem Gebiet des Pastoralraums miteinander diese Leitungsperson wählen würden. Um den interessierten Gremien den Entwurf näherzubringen, gibt es Informationsabende (siehe Anmerkung). Schriftliche Stellungnahmen sind bis zum 2. Mai erbeten. Sagt die Synode wie auch das Thurgauer Stimmvolk wie auch der Grosse Rat Ja zur Revision, tritt die Verfassung 2020 in Kraft – just, wenn die katholische Landeskirche Thurgau 150 Jahre alt wird.

Claudia Koch

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■ Die Vernehmlassungsunterlagen sind zu finden unter:
www.kath-tg.ch/revision

Informationsabende:

Mittwoch, 22. Februar, 19.15 Uhr und
Montag, 27. Februar, 19.15 Uhr

Zentrum Franziskus, Weinfelden

Referenten: Cyrill Bischof, Kirchenratspräsident, Dominik Hasler, Kommissionspräsident, Urs Brosi, Generalsekretär

Anmeldung: generalsekretariat@kath-tg.ch

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Die Kommission des Kirchenrats (v. l. n. r.): Urs Brosi, Astrid Stucki, Theo Scherrer, Isabella Stäheli, Reto Marty, Otmar Kurath, Ruedi Heim und Dominik Hasler.

Bild: Ursi Vetter
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