Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 4

Eine Reise ins Ungewisse

Über das Fasten und was es bewirkt

Wer eine gewisse Zeit auf feste Nahrung verzichtet, reinigt damit Körper, Geist und Seele. Er fühlt sich danach wohler, nimmt seine Umwelt intensiver wahr und findet mehr zu sich selbst. Diese Erfahrungen haben zwei fastenerprobte Frauen gemacht, die in Berg und Weinfelden je eine Fastengruppe anbieten.

Jutta Latella, deren Gruppe sich in Berg treffen wird, ist eine der beiden Begleiterinnen. Für sie und ihren Mann ist es zur guten Gewohnheit geworden, einmal im Jahr zu fasten. Dabei haben sie schon verschiedene Formen ausprobiert. «Das Fasten nach Hildegard von Bingen bekommt uns am besten», erzählt sie. Es begrenzt die Nahrungsaufnahme auf ein wenig Gemüsebrühe oder ein Stückchen Brot. Als Ernährungsexpertin nach den fünf Elementen schenkt sie beim Fasten dem Körper und der Ernährung besondere Beachtung und lässt in ihren Gruppen immer wieder Hinweise dazu einfliessen.

Gabriele Munz lädt zu einer ökumenischen Fastengruppe in Weinfelden ein. Die ausgebildete Vitaltrainerin und Meditationsleiterin macht seit über 30 Jahren Erfahrungen mit dem Fasten. Neben der Aufmerksamkeit für den eigenen Körper hebt sie auch den spirituellen Aspekt hervor: «Fasten ist ein Weg, um mit der Kraftquelle in sich in Verbindung zu treten.» Sie bevorzugt die Zitronenkur, bei der man täglich eine Mischung aus Zitronensaft, lauwarmen Wasser, Ahornsirup und Cayenne-Pfeffer zu sich nimmt. Beide Begleiterinnen sind sich einig, dass jeder für sich herausfinden müsse, welche Methode einem gut tue. Wichtig sei allerdings, dass man während einer Fastenperiode nicht wechsle und sich ganz auf einen Weg einlasse.

Den Körper entschlacken

Der Fastenprozess teilt sich in drei Abschnitte auf: eine Entlastungs-, eine Reinigungs- und eine Aufbauphase. Die Teilnehmenden werden darüber informiert, dass sie in der ersten Woche auf Alkohol, Kaffee und Fleisch verzichten sollen. «Die Entlastungstage helfen herunterzufahren», erklärt Jutta Latella. Beim ersten Treffen ihrer Gruppe wird – nach Hildegard von Bingen – ein Bratapfel als letzte Mahlzeit eingenommen. Danach folgt die Darmentleerung mit Hilfe von Glaubersalz. «Eine vollständige Entleerung verringert das Hungergefühl und Kopfweh», so Latella. In der folgenden Woche steht nur Gemüsebrühe auf dem «Speiseplan». Täglich drei Liter Tee helfen den Körper zu entschlacken. In dieser Zeit trifft sich die Gruppe jeden Abend zum Austausch. Mit einem leckeren Bratapfel wird zum Schluss das Fasten gebrochen. Es beginnt die Aufbauphase, die einem genauen Plan folgt.

Die Gruppe von Gabriele Munz verläuft ähnlich. Jeder entscheidet sich für «seine» Fastenmethode, für ein sanfteres Teilfasten bis hin zum Königsweg, dem Wasserfasten. Es geht darum, sich in dieser Zeit nach Innen zu wenden und Körper und Geist zu reinigen. Positive Veränderungen in Lebensgewohnheiten und im Gedankengut sind das Ziel dieser Woche.

Austausch in der Gruppe

Die Gruppe von Gleichgesinnten und ihre täglichen Treffen können beim Fasten eine wertvolle Stütze sein. Die Woche von Gabriele Munz steht jeweils unter einem Motto, welches die Teilnehmenden täglich in ihrem Prozess begleitet. Mit inspirierenden Texten, Meditation und Übungen der progressiven Muskelentspannung startet ihre Gruppe früh morgens den Tag. «Das gemeinsame Teilen von Erfahrungen und Zeit für Fragen schaffen einen Raum von Vertrauen und Motivation», betonen beide Frauen. Jutta Latella empfiehlt darüber hinaus, sich beim Fasten ein persönliches Ziel zu setzen, sich bewusst Zeit für sich zu nehmen und Tagebuch zu führen, um gewonnene Erkenntnisse festzuhalten.

Ein Gewinn

Die beiden Begleiterinnen verschweigen nicht, dass Fasten auch beschwerlich sein kann – vor allem in den ersten drei Tagen. «Es kann da wehtun, wo der Körper am meisten belastet ist», sagt Jutta Latella. Aber in diesen Beschwerden zeige sich ein Heilungsprozess an. Für die beiden Frauen lohnt es sich auf jeden Fall, den Alltagstrott mit Fasten zu unterbrechen. «Danach erlebt man Farben wieder kräftiger, nimmt Geräusche und Düfte viel intensiver wahr», erzählt Gabriele Munz. Jutta Latella schwärmt davon, wie sehr ihr dann einfache «Gschwellti» wieder schmecken. Ausserdem seien die Gedanken wieder klarer, man erlebe einen inneren Seelenfrieden und habe neue Kraft für Veränderungen. Gabriele Munz und Jutta Latella blicken voll Freude auf das bevorstehende Fasten. Gleichzeitig sind sie auch gespannt, was sie dieses Mal erwartet: «Denn jedes Fasten ist eine Reise, von der man nicht weiss, wohin sie einen führt.»

Detlef Kissner

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■ nähere Infos zu den Fastengruppen: siehe «Kurse • Tagungen»

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Laden ein, mit der Unterstützung einer Gruppe zu fasten, Gabriele Munz (l.) und Jutta Latella.

Bild: Detlef Kissner
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