Pfarreiblatt der Bistumskantone
Schaffhausen und Thurgau
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Ausgabe Nr. 4

Sieben Wochen ohne Sofort

Die etwas andere Fastenaktion

Viele Menschen nutzen die Fastenzeit dazu, den Alltag zu durchbrechen, etwas anders zu machen, um einen neuen Blick auf das eigene Leben zu erhalten. Dies kann man auf unterschiedliche Weisen tun. Die evangelische Fastenaktion in Deutschland gibt dafür seit über dreissig Jahren wertvolle und originelle Anregungen – diese Jahr mit dem Appell: Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort.

Millionen von Menschen lassen sich inzwischen jedes Jahr von der Fastenaktion inspirieren – über den Fastenkalender, über Fastenmails, die Fastenapp… Die Aktion ist unterteilt in sieben Themenbereiche, die wöchentlich wechseln – darauf beziehen sich im Folgenden die Hinweise in den Klammern – und bietet jeden Tag einen eigenen Impuls.

Arnd Brummer, der Geschäftsführer von «7 Wochen Ohne», führt mit folgenden Gedanken in die diesjährige Aktion ein: Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort! Was soll denn das? Genau! Pause. Und dann? Mal durchatmen. Die Ungeduld gilt als ein Symbol der Moderne. Man darf vieles verlieren – nur nicht die Zeit. Gut also, dass ich meine Post nicht mehr zu Hause am Tisch lesen muss, nachdem ich – gefühlt stundenlang! – auf die Briefträgerin gewartet habe. Nein, die Mails lese ich an der Ampel auf meinem Smartphone. Und antworte noch auf dem Parkplatz vor dem Haus. Sofort!

Entschleunigung auf verschiedenen Ebenen

«7 Wochen Ohne» möchte 2017 eine Kur der Entschleunigung anbieten. Alles hat seine Zeit, verspricht uns der Prediger in der Bibel (Woche 1). Zeit für schwierige Entscheidungen, die kleinen und die grossen (Woche 2). Zeit, den Menschen im anderen zu sehen, etwa in der Schlange im Supermarkt, auch wenn man es eilig hat. Und dort vielleicht ein Bibelwort neu verstehen zu lernen: «So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.» (Woche 4) – Zeit, wenn etwas schiefgeht, nicht gleich loszupoltern, sondern noch mal durchzuatmen. Statt den Zeigefinger mit der «Du bist schuld!»-Tirade auszufahren, lieber die ganze Hand ausstrecken, zuhören und vergeben (Woche 5). Und: Nicht sofort aufgeben! Wenn es nicht mehr weitergeht, einmal Pause machen, eine Tasse Tee trinken, nachdenken: Zeit, den Dingen und sich selber eine zweite Chance zu geben (Woche 6).

Dieses Innehalten hat uns Gott ganz am Anfang in unsere Zeitrechnung geschrieben: Den siebten Tag segnete der Schöpfer – und ruhte. Dazu sind wir auch eingeladen, jede Woche: Gottes Zeit feiern – bevor es wieder Alltag, wieder spannend wird. Mal nicht funktionieren, nicht Maschine sein, sondern Mensch (Woche 7).

Das musste sich übrigens auch die fleissige Marta von Jesus sagen lassen: Sie hatte ihre Schwester Maria angemault, weil die nicht in der Küche half, sondern mit Jesus rumsass und sich unterhielt. Und Jesus sagte: «Maria hat den guten Teil erwählt.» (Woche 3)

Arnd Brummer/Red.

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■ Nähere Infos zur evangelischen Fastenaktion und deren Materialien auf www.siebenwochenohne.de.

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Zum Beispiel: Nicht sofort lospoltern

«Halten Sie endlich mal das Maul, sie verf...kte Kirchenziege», heisst es in einer anonymen Mail an mich. In einer anderen: «Dich sollten sie über IS-Gebiet aus dem Hubschrauber abwerfen, dann kannst du deine Islamfreunde treffen.» Hässliche, widerwärtige Kommentare, an denen mich besonders stört, dass die Leute sie anonym abgeben. Ich finde es grossartig, in einem Land zu leben, in dem wir Kritik üben dürfen. Es ist gut, zu ringen, miteinander nach Wegen, Problemlösungen, neuen Konzepten zu suchen. Aber im Internet herumzupöbeln und andere zu beschimpfen, ist etwas ganz anderes. Was fehlt ist der Moment des Innehaltens, um abzuwägen: Würde ich ebenso formulieren, wenn mein Name drunter stünde? Und was wäre, wenn mir die Person gegenüberstünde?

MARGOT KÄSSMANN, Theologin und EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 (© Sieben Wochen Ohne)

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Sich Zeit nehmen für das, was wirklich dran ist – dafür wirbt «Sieben Wochen ohne Sofort».

Bild: © Mike Schefer/7 Wochen Ohne
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