Pfarreiblatt der Bistumskantone
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Ausgabe Nr. 11

"Schwarz bin ich, doch schön..."

Die schwarze Madonna von Einsiedeln zieht viele Pilger an

In der Schweiz ist Einsiedeln ein Kernpunkt der Marienverehrung. Vermehrt wird dort die schwarze Madonna von Menschen aufgesucht, die nicht der katholischen Kirche angehören. Tamilische Flüchtlinge haben in der schwarzen Madonna von Einsiedeln ihre Schutzgöttin Kali der verlassenen Heimat wiedergefunden. Ein Interview mit Pater Maurus Burkhard, Benediktiner im Kloster Einsiedeln, und Herrn Jakomuthu Peter, früherer Leiter der tamilischen Pilgerfahrten.

Historisch gesichert ist einzig, dass schwarze Madonnen seit Jahrhunderten verehrt werden. Wo immer sie auftauchen, umschliessen sie geheimnisvolle Geschichten, entstehen Kapellen, Kirchen und Klöster. Die schwarze Madonna ist Anziehungspunkt für Minderheiten, Ausgestossene und die unter politischem und gesellschaftlichem Druck stehende Bevölkerung.

Mike Qerkini: Pater Burkhard, Einsiedeln ist wohl der älteste Wallfahrtsort der Schweiz. Was macht den Ort so bedeutsam?

Pater Burkhard: Das Kloster wurde 934 gegründet. Vorher hauste der heilige Meinrad, ein Benediktiner von der Insel Reichenau, als Einsiedler im «Finstern Wald». Damit legte er den geistigen Boden für die Entwicklung dieses Ortes. Am 21. Januar 861 kamen zwei Räuber beim heiligen Meinrad zu Besuch. Sie glaubten, bei ihm Schätze zu
finden und erschlugen ihn.

Als die ersten Einsiedler vierzig Jahre nach seiner Ermordung im «Finstern Wald» wieder Zellen errichteten, bauten sie über den Ruinen seines Altars eine Kapelle, die sie dem Erlöser weihten. Im Jahre 1798 lungerten französische Revolutionssoldaten im Heiligtum herum. In der Gnadenkapelle wurde die Holzstatue der Muttergottes von ihrem Platz geholt und direkt nach Paris geschickt. Dort stellt man allerdings fest, dass es sich nur um eine Kopie handelte. Die Mönche haben die Statue gegen das echte jahrhundertealte Gnadenbild ausgetauscht. Die «Flucht» des echten Gnadenbildes und seine Rückkehr sind sehr dramatische Geschichten.

«1803 kehrte sie als ‚weisse Frau’ zurück»

Was ist die Besonderheit der «Madonna vom Finstern Wald»?

Das heute verehrte Gnadenbild ist 117 cm hoch und aus Lindenholz
geschnitzt. Die Herkunft der Statue ist unbekannt. Vermutet wird, dass das Marienbild um 1465 nach Einsiedeln kam. Die Schwärze der Madonna entstand durch den Russ der Kerzen und Öllampen. Wir führen heute die Schwärze der Madonna auf das Hohelied in der Bibel zurück: «Schwarz bin ich, doch schön».

Die schwarze Madonna «floh» 1798 und kam 1803 als «weisse Frau» wieder zurück. Ein Maler aus der Gegend hatte die Madonna restauriert. Die Menschen jedoch reagierten empört. Man bezweifelte die Echtheit der Statue. So entfernte der Maler die helle Hautfarbe wieder. Am 29. September 1803 kehrte die Madonna eingeschwärzt nach Einsiedeln zurück.

Nicht nur Schweizerinnen und Schweizer verehren die Gottesmutter in Einsiedeln. Wer sonst kommt hierher?

Portugiesen, Spanier, Kosovaren, Kroaten, Slowaken, Slowenen, Tamilen und Italiener kommen häufig hierher. Unterstützt durch den Wallfahrtspater gestalten sie die Wallfahrtstage nach ihrer jeweiligen Tradition. Vermehrt wird die schwarze Madonna auch von Menschen aufgesucht, die nicht der katholischen Kirche angehören, zum Beispiel von Hindus.

«Die mütterliche Liebe Mariens erinnert an unsere Heimat»

Herr Jakomuthu, welche besondere Bedeutung hat die Madonna von
Einsiedeln für die Tamilen in der Schweiz?

Herr Jakomuthu: Wenn man weit weg von der Familie geht, nimmt man ein Bild der geliebten Menschen mit. So ist auch die Madonna von Einsiedeln ein «Bild unserer Heimat». Worin besteht die Marienverehrung der Tamilen? Wir Tamilen sehen Maria als Weg zu
Jesus. Wir klammern uns an das Wort: «Ad Jesum per Mariam». Tamilische Familien haben daher zu Hause eine Marienstatue oder ein Marienbild und schmücken diese Gegenstände. Die herzliche und mütterliche Liebe Mariens erinnert uns an unsere Heimat.

Die Madonna wird von Christen wie auch von Hindus verehrt. Wie erklären Sie sich das?

Man hört oft, dass die Hindus Maria als ihre Göttin Kali verehren. Für mich ist das so nicht korrekt. Kali ist im Hinduismus die Göttin mit dem Aspekt des Todes und der Zerstörung. Die Ikonographie zeigt
Kali auch meistens schwarz. Maria jedoch ist Mutter – sie hat nichts mit Tod und Zerstörung zu tun. Ich glaube, die Fürsorge der Mutter Jesu zieht die Menschen an – ungeachtet, woher sie kommen und wer sie sind.

Mike Qerkini

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«Die Flucht des echten Gnadenbildes und seine Rückkehr sind sehr dramatische Geschichten.» Pater Maurus Burkhard,
Benediktiner im Kloster Einsiedeln, und Herrn Jakomuthu Peter, früherer Leiter der tamilischen Pilgerfahrten.
Bild: Mike Qerkini
«Schwarz bin ich, doch schön». Wo immer schwarze Madonnen auftauchen, entstehen geheimnisvolle Geschichten.
Traditionelle Prozession mit der Statue der Gottesmutter, die mit Blumen und Gewändern verziert von den Gläubigen über den Vorplatz von Einsiedeln getragen wird.
Bilder: zVg
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